„Do nothing garden“

Ist es eine Nachbildung von Brüsten oder etwa die Hügel der Teletubbie-Welt?

Ein Kunstwerk in der Karlsaue gibt seit Wochen Fragen auf. Jetzt wurde öffentlich gemacht, dass es sich um einen „Do nothing garden“ handelt. Was das genau heißt, weiß aber niemand. Eher finden sich unter den Betrachtenden Kommentare wie: „Ist das Kunst, nee oder?“, „Das kann ich auch. Schaut einfach mal in meinen Garten.“ und „Dabei kann sich der Künstler doch wirklich nicht viel gedacht haben, oder?“.

Was sich der Künstler gedacht haben mag, wird auch bei Betrachten seines Gartens nicht deutlich, aber, wie sagte schon Dalí? „Nur weil ich die Bedeutung meiner Werke nicht verstehe, heißt das nicht, dass die Werke keine Bedeutung haben“, oder so ähnlich.

Der erwähnte Künstler ist der aus Peking stammende Song Dong, der vor allem für seine Installationen und Performances bekannt ist. Auf der Seite der dOCUMENTA (13) wird der Künstler und auch ein Buch von ihm vorgestellt, in dem es um „Doing Nothing“ geht. Dabei lässt Song Dong „einen unübersetzbaren Satz über das Nichtstun von verschiedenen Menschen, Unternehmen, einem Übersetzungsbüro und von Google Translate ins Englische übersetzen“, die chinesischen Schriftzeichen sind jedoch identisch. Und trotzdem kommt immer eine andere Übersetzung heraus. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann auf der d13-Seite etwas stöbern.

Was genau dieses Kunstwerk des chinesischen Konzeptkünstlers mit dem Thema der diesjährigen dOCUMENTA (13) „Collapse and Recovery“ zu tun hat und ob es sich bei diesem Werk überhaupt um Kunst handelt, muss demnach erst einmal jeder selbst herausfinden. Auch die Künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev ist sich unsicher: „Was manche dieser Teilnehmer tun, und was sie in der dOCUMENTA (13) ‚ausstellen‘, mag Kunst sein oder auch nicht.“

Der „Do nothing garden“ ist jedenfalls einen Besuch wert. Er besteht aus Sand und Holz sowie Kies, welche schon seit Monaten in der Karlsaue angehäuft wurden. Auf diesem abfallhaltigen Boden wurden zahlreiche Pflanzen und Büsche gepflanzt, die nun wachsen und gedeihen. Nach Berichten der HNA habe Song Dong „mit einem großen Sinn für Optimismus aus Abfall einen Garten gestaltet.“

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Erste Eindrücke von der dOCUMENTA (13)

Beim Rundgang durch Kassel fällt auf: Geheimnisse, viele Fragen, kaum Antworten.

Die dOCUMENTA (13)-Künstler hüten ihre Kunstwerke wie teure Schätze, das haben wir in den letzten Wochen bereits gemerkt. Die meisten Kunstwerke sind unter weißen Kunststoffplanen verhüllt, sodass der neugierige Besucher nur Vermutungen über die darunter verborgenen Werke anstellen kann. Steht man vor der weißen Plane, möchte man doch zu gern einen raschen Blick über den Zaun wagen, weil die Neugierde nahezu unerträglich ist, oder? Aber man tut es natürlich nicht.

Assoziationen und viele Vermutungen….

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© Livia Blum

Mich persönlich erinnern diese Verpackungen sehr an den bulgarischen Verhüllungskünstler Christo Wladimirow Jawaschew (* 1935), kurz Christo genannt. Einigen müsste dieser außergewöhnliche Künstler, der beispielsweise im Jahre 1995 mit weißem, feuerfestem Kunststoffgewebe den Reichstag komplett verpackte, bekannt sein. Man kann eigentlich sagen, dass er alles verhüllt hat, was es gab: 11 Inseln in Miami Beach, Fußwege in Kansas City, den „laufenden Zaun“ in Kalifornien und vieles mehr. Anders als bei der dOCUMENTA (13) waren für ihn die Verhüllungen selbst Kunst, die dOCUMENTA-Künstler schützen jedoch ihre Kunstwerke lediglich durch weiße Stoffbahnen vor den interessierten Besuchern. Auf dem unteren Foto sieht man auf dem Kasseler Theaterplatz ein verhülltes Objekt. Was sich wohl hinter der Stoffbahn verbirgt? Man wird es am 09. Juni 2012 erfahren. Dagegen sieht man im Hintergrund die St. Elisabeth-Kirche mit der Turmskulptur des deutschen Bildhauers Stephan Balkenhol (* 1957), ein bereits präsentes Kunstwerk.

Geht man in die Karlsaue, so entdeckt man an vielen Ecken Objekte, die zur dOCUMENTA (13) gehören oder gehören könnten. So wirkt beispielsweise ein schlichter Bagger schon „verdächtig“ und man fragt sich, welches Projekt hier von einem Künstler in Auftrag gegeben wurde. Es könnte sich natürlich auch um ganz normale Bauarbeiten in der Aue handeln. Was entsteht hier also? Weiterhin findet man überall im Auepark verteilteingezäunte Holzhütten oder Metallhäuschen.

© Livia Blum

© Livia Blum

Oft wundert man sich auch über verschiedene Objekte, wie z. B. über dieses Holzpodest mit hölzernem Kasten. Was soll hier entstehen? Oder befindet sich in dem Kasten bereits das Kunstwerk? Und immer wieder fällt mir mehr und mehr auf, dass die dOCUMENTA (13) mit Geheimnissen spielt, die die Zuschauer zu gern schon jetzt gelüftet hätten.

© Livia Blum

Asterix und Obelix in Kassel?

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dieser blätterlose Baum mit einem riesige Stein in seiner Krone, erinnert mich tatsächlich an Asterix und Obelix. In der Comicserie gibt es viele Szenen, in denen der kräftige Obelix einen schweren Hinkelstein auf seinem breiten Rücken trägt. Seltsamerweise musste ich, als ich dieses Werk bewunderte, sofort daran denken. Es handelt sich hierbei um die Kunst des Italieners Giuseppe Penone (* 1947), dessen Kunstwerk „Idee di pietra“ schon seit dem 21. Juni 2010 die Karlsaue ziert.

© Livia Blum

Was hat das Kunstwerk für eine Bedeutung?

Natürlich liegt für mich auch der Gedanke an den deutschen Aktionskünstler Joseph Beuys (1921-1986) nicht fern. Da ich mich über einen längeren Zeitraum mit seinem im Jahr 1982 entstandenen Landschaftskunstwerk „7000 Eichen“ beschäftigte, musste ich beim Betrachten sofort daran denken. Die Materialien, die damals schon Beuys verwendete, nämlich die Verbindung zwischen Baum und Stein, wurden auch hier aufgegriffen. Anders als bei Beuys, der einen Stein neben eine Eiche setzte, befindet sich hier der Stein in der Baumkrone. Um welchen Baum handelt es sich hier eigentlich, ist er überhaupt echt? Ich bin der Meinung, der Baum sieht nicht wirklich lebendig aus. Im Gegenteil, er macht auf mich eher einen leblosen Eindruck, da er keine Blätter hat. Wenn ich genau hinsehe, ist er auch nicht im Boden verwurzelt. Was möchte uns der Künstler mit seinem Werk sagen? Beuys` Kunstwerk lässt sich hinsichtlich ökologischer und gesellschaftskritischer Intentionen deuten. Er wollte den Menschen durch sein Projekt wieder einen Zugang zur Natur schaffen. Umso mehr interessiert es mich natürlich, was diese Baum-Stein-Kombination bedeutet und wie der Künstler selbst sein Werk deutet. Oder lässt er den Betrachtern den Freiraum, das Werk eigenständig zu deuten?

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© Livia Blum

Erst beim genaueren Hinsehen ist mir noch aufgefallen, dass aus der Erde am Fuße des Stammes ein kleines Bäumchen wächst. Auch dieses Werk gibt wie viele weitere Rätsel auf. Ich bin gespannt, was uns die dOCUMENTA (13)-Stadtführer über den Sinn der Kunstwerke berichten.

(lb)

„Erste Künstlerliste der Documenta 13“

„Spekulationen um die Documenta 13 sind derzeit das wichtigste Thema der Kunstszene. Eine erste Künstlerliste, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt, erlaubt Rückschlüsse auf die Großausstellung in Kassel: Viele US-Künstler, viele Frauen – und kriegszerstörte Objekte aus Beirut. Als zentrales Themenfeld stehen politische Traumata zur Diskussion bereit.“

Zum Artikel der SZ