Entdeckungen am Hauptbahnhof – neue Kunstwerke?

Arbeiten einige Künstler vielleicht versteckt hinter den Gleisen des Kasseler Bahnhofes an ihren Kunstwerken? – Meine Beobachtungen.

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© Livia Blum

Nachdem ich mir an einem sonnigen Sonntagmittag den Schrotthaufen hinter dem ehemaligen Zollamt am Kasseler Bahnhof zum Abschluss aus der Ferne angesehen hatte, wollte ich mich aus dieser verlassenen, fast unheimlichen Gegend verabschieden. Bis jetzt hatte ich dort außer großen Mengen an übel riechendem Metallschrott und unruhiger, kreischender Vögel, die darüber kreisten, keine einzige Menschenseele gesehen. Richtig verlassen schien diese Gegend zu sein.

Habe ich etwa zufällig dOCUMENTA-Künstler entdeckt?

Plötzlich machte ich eine spannende Entdeckung. Ich stand noch vor dem Schrotthaufen und konnte aus weiter Entfernung sehen, dass einige Männer vor den heruntergekommenen Häusern hastig arbeiteten. Manche diskutierten lautstark untereinander, einige standen regungslos da und schienen angestrengt nachzudenken, andere werkelten eifrig an etwas, das ich aus der Ferne nicht erkennen konnte. Da ich den Platz verlassen wollte, musste ich unumgänglich an ihnen vorbeilaufen. Ich kam ihnen näher und versuchte, mich möglichst unauffällig zu verhalten. Einige starrten mich regelrecht an und ich fragte mich, ob hier wohl ein dOCUMENTA-Künstler dabei ist und hier geheim an seinen Kunststücken feilt? Ein anderer, der vorher seelenruhig an dem obigen Tor gearbeitet hatte, verschwand schnell in das Innere des Gebäudes. Wenn man genau hinsieht, fällt einem auf, dass das Gebilde hinter dem großen Tor wie eine Höhle aussieht, wahrscheinlich aus Beton oder Lehm? Bis ich da vorbei kam, hat er flink an dem höhlenartigen Gebilde gewerkelt; hat es wohl versucht, in Form zu bringen. Seine Abwesenheit nutzte ich schnell, um Fotos zu machen. Ich dachte mir, es könnte immerhin möglich sein, dass es sich hier tatsächlich um einen dOCUMENTA-Künstler handelt. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Wer arbeitet denn sonst sonntags in dieser nicht gerade einladenden Gegend? Und warum sind hier so viele beschäftigte Menschen, obwohl doch Sonntag und dazu noch ausgezeichnetes Wetter ist?

Was sieht man hier? Könnte es der Arbeitsplatz eines Künstlers sein?

Das Podest ist voll beladen: Viele Säcke mit Baumaterial, Eimer, ein hölzerner Werkszeugtisch mit Arbeitsmaterialien, Kisten, Wasserkanister und unter dem Podest liegt Stroh.

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© Livia Blum

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© Livia Blum

Dann fielen mir noch große Elemente aus Holz ins Auge: Treppen, die von einem massiven Geländer eingerahmt sind. Diese stehen in regelmäßigen Abständen auf beiden Gebäudeseiten. Mir fielen sie eigentlich besonders dadurch auf, da sie aus der dunklen Gegend herausstachen. Das helle Holzobjekt wirkte sehr neu und es roch sogar noch nach Holz und frischer Farbe. Waren diese Treppen eventuell angefertigt worden, damit dOCUMENTA-Besucher ohne Schwierigkeiten in die Ausstellungsräume verschiedener Künstler gelangen konnten? Handelt es sich hier in dieser verlassenen Bahnhofsgegend etwa wirklich um weitere Ausstellungsräume? Für mich ergibt das Gesehene ein schlüssiges Gesamtbild: Eifrig werkelnde Künstler, viele Materialien, auffällige Geheimnistuerei, eine abgelegene Gegend, neue Holztreppen.

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© Livia Blum

Richtige Fährte oder Sackgasse? Auflösung folgt am 09. Juni 2012!

Ob das alles, was ich beobachtet habe, wirklich zur dOCUMENTA (13) gehören könnte, ist mehr als fraglich. Es handelt sich hierbei lediglich um meine eigenen Beobachtungen und Vermutungen, die sich mir an diesem Nachmittag aufgedrungen haben. Und wenn man manchmal etwas bemerkt, interpretiert man öfters viel zu viel hinein, vielleicht ist euch das auch schon passiert!? Man weiß die Fakten leider nicht. Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als ungeduldig auf die Eröffnung der dOCUMENTA (13) am 09. Juni 2012 zu warten.

(lb)

Nachtrag:

Meine Vermutung wurde bestätigt. An besagtem Wochenende sichtete ich wirklich einen Künstler, vermutlich Javier Téllez (* 1969), der an seinem Projekt für die dOCUMENTA (13) werkelte. Zu Beginn der Weltkunstausstellung stellte sich heraus, dass an diesem Ort seine 45-minütige Filminstallation „Artaud`s Cave“ gezeigt wurde – und zwar in der von mir entdeckten Höhle.

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