Von Industrie zur Kultur – Haegue Yang

In den alten, stillgelegten Abteilungen des Hauptbahnhofes, bei den verlassenen Gleisen neben einer alten Lagerhalle, hört man immer wieder ein leises Surren, ein kurzes Klicken und dann herrscht wieder einige Zeit Stille.
Zu sehen ist eine Installation aus von der Decke hängenden Aluminium-Jalousien. Sie erinnern stark an das Gerüst eines Zuges, wie er vor vielen Jahren, als der Hauptbahnhof in Kassel noch Hauptanlaufstelle jeglichen Schienen-fern-Verkehrs war, täglich ein und aus liefen. Mit dem Bau des größeren Bahnhofes, Kassel Wilhelmshöhe, wird der Hauptbahnhof seit nun 11 Jahren nur noch für den regionalen Schienenverkehr benutzt. Im Jahr 1995 wurde der alte Bahnhof saniert und als sogenannter Kulturbahnhof entworfen. Hier fanden Kunstgalerien ihren Platz und zahlreiche Künstler der dOCUMENTA (13) ließen sich von der Atmosphäre und den Räumlichkeiten des alten Bahnhofes inspirieren.
So auch die koreanische Installationskünstlerin Haegue Yang, die zwischen verlassenen Bahnsteigen ihr Kunstwerk konzipiert hat. Für ihre Kunst verwendet Yang Alltagsgegenstände, um daraus Installationen, Skulpturen oder grafische Werke zu entwickeln. Ein häufig auftretendes Element stellen die Jalousien dar, so wie sie auch in dieser Installation verwendet wurden.

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Von der Decke hängend und unterschiedlich positioniert, führen die Jalousien den Betrachtern eine motorisierte, mechanische Choreografie vor. Zwischen den einzelnen Bewegungen erfüllt Stille die Halle mit den verlassenen Schienen. Diese Stille lässt den Betrachtern Zeit, die Blicke wandern zu lassen, bis ein erneutes Surren das Augenmerk wieder auf das Kunstwerk lenkt.
Dass der Bahnhof die Künstlerin für dieses Werk inspiriert hat, wird bei der Betrachtung der Umgebung sehr deutlich. Die Jalousien spiegeln optisch einige Elemente der Halle wieder. Und auch die Geschichte des Hauptbahnhofes spielt dabei eine Rolle. Der heutige Kulturbahnhof, der einst für Kassels industrielle Vergangenheit eine große Rolle spielte, dient in gewisser Weise als Beweis dafür, dass der industrielle Aspekt verdrängt und im Gegenzug dazu, dem kulturellen Aspekt eine größere Beachtung zugesprochen wird. Die Industrie wurde durch die Kultur ersetzt.

(dh)

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