Rebellisch, Gesellschaftskritisch, Unangepasst- Llyn Foulkes

Im Fridericianum werden unter Anderem auch drei Kunstwerke eines ganz besonders interessanten und brillanten Künstlers ausgestellt: The Machine, The Lost Frontier und The Awakening von Llyn Foulkes, sind, wie ich finde, drei der außergewöhnlichsten und fesselndsten Werke die die dOCUMENTA (13) zu bieten hat.

© Constanze Wölm

Die Musikmaschiene

Das von Foulkes selbst entwickelte und gebaute Fantasieinstrument The Machine, besteht aus vielen verschiedenen Elementen, wie einem Schlagzeug, Kuhglocken, Basssaiten, einem Xylofon und sogar aus alten Autohupen. Der Künstler spielte in den ersten Wochen der dOCUMENTA (13) bei mehreren Auftritten auf seiner knallroten Musikmaschine und gab einige seiner Songs zum Besten. dOCUMENTIERT war bei einem seiner Darbietungen live dabei und hat einen kurzen Ausschnitt festgehalten:


Foulkes spielt The Machine auf seine eigene, ganz besondere Weise. In einem weißen, schlabbrigen T-Shirt und nur mit weißen Socken an den Füßen, steht der sympathische 76-jährige ‚in’ seinem Instrument und lugt über den vielen Hupen hervor. Manchmal kommt er etwas aus dem Takt und die als Musikinstrumente umfunktionierten Glocken, Hupen und Tröten geben schiefe und schräge Töne von sich. Aber das ist wohl genau der Sinn der Sache, denn Llyn Foulkes’ Kunst soll nicht perfekt und idyllisch sein, sondern sie soll die Leute schockieren, sie aufhorchen und aufmerksam werden lassen, und sie dazu bringen die Augen zu öffnen, denn der Künstler möchte eine Botschaft vermitteln. Zu den schiefen Tönen, die The Machine von sich gibt, singt der Künstler Songs, die einen nachdenklich stimmen und die Foulkes’ Melancholie und seine Sorgen über die moderne Gesellschaft und die zusehends verkommene Welt und Zivilisation deutlich werden lassen. Auf seinem Fantasieinstrument übt der Vietnamveteran Kritik am Kapitalismus, am Kommerz und an der Politik der U.S.A.
The Machine ist auf der dOCUMENTA (13) leider nicht mehr im Original zu finden, denn als Foulkes abreiste, nahm er seine Maschine mit. Nun tröstet eine Videoinstallation seiner Performance, die an dieser Stelle nun gezeigt wird, den/die BesucherIn etwas darüber hinweg.

© Constanze Wölm

 

Der Tod des amerikanischen Traums 

© Constanze Wölm

Der in Los Angeles lebende Foulkes arbeitete in das Reliefbild The Lost Frontier (1997-2005) verschiedene Materialien ein, wodurch das Bild dreidimensional wird. Die Landschaft, des Werkes besteht aus Holz, außerdem baute er einen alten Fernseher, eine tote Katze und leere Bierflaschen in das Bild ein. Mit diesem unangepassten, rebellischen Werk möchte er den Tod des amerikanischen Traums darstellen.
Im Vordergrund ist Foulkes selbst zu sehen, wie er, mit hängenden Schultern, auf eine leblos und apokalyptisch wirkende Landschaft blickt, die die Stadt Los Angeles darstellen soll. Daneben sitzt ein Mann, der wie ein Urmensch aussieht, den Blick auf den Betrachter des Bildes gerichtet. Im Hintergrund sieht man eine Autobahnbrücke. Auf einem Felsen steht Micky Mouse mit dem Körper einer Frau in einem altmodischen Kleid, in den Händen ein Maschinengewehr. Mickys Blick ist auf die karge Landschaft von LA gerichtet. Das immer wiederkehrende Motiv von Micky Mouse in seinen Werken ist ein Symbol für die Gehirnwäsche der die Gesellschaft unterzogen wird. Foulkes las einmal das Handbuch des Micky Mouse Clubs von 1934 (seinem Geburtsjahr) und darin stand, dass durch die Disney-Figuren, Dinge in die Gehirne der Kinder eingepflanzt werden und sie somit unbewusst aufgenommen werden. Die Micky Mouse Figur in The Lost Frontier scheint für die Kontrolle (ausgeübt durch die kapitalistische Pokitik Amerikas?!) zu stehen, der die Menschen in der modernen Gesellschaft unterzogen werden.
Dieses Werk ist wohl eine weitere Kritik an der Zivilisation. Der oben gezeigte Ausschnitt, einer Performance von Foulkes an The Machine, scheint, die Intention des Künstlers bei erschaffen von The Lost Frontier noch zu verdeutlichen. Aber möchte uns der Künstler damit nun zu verstehen geben, dass unsere Zivilisation in einer Apokalypse enden wird? Oder stellt dieses Bild schon die heutige Realität dar und Foulkes will uns damit zeigen, dass wir bereits in der Apokalypse leben und es nur noch nicht gemerkt haben?

Llyn Foulkes ganz privat

© Constanze Wölm

Ein weiteres Werk aus Foulkes Reihe von Reliefbildern heißt The Awakening (1994-2012) und zeigt ein älteres Paar im Bett. Die Frau liegt nackt auf der Seite, den Rücken zu ihrem Gatten gewendet. Ihr Blick wirkt traurig und verzweifelt. Der Mann blättert konzentriert, aber müde wirkend in einer Art Buch. Dieses Relief zeigt Foulkes und seine Ex-Frau. Mit diesem Projekt begann er, als er merkte, dass die Ehe mit seiner Frau langsam zu Bruch ging. Dies ist ein sehr persönliches und emotionales Werk des Künstlers.
Llyn Foulkes war und ist, nicht nur auf der dOCUMENTA (13), ein Geheimtipp, der leider oft übersehen und übergangen wird. Ob dies an seiner rebellischen und gesellschaftskritischen Kunst liegt und daran, dass er offen sagt was er denkt und was ihn stört, sei dahingestellt. Vielleicht ist die Kunstwelt für Foulkes’ unbequeme Wahrheit einfach immer noch nicht bereit und wird es vielleicht auch nie sein…

Text und Fotos: Constanze Wölm

Video: Katharina Scholz

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