Anri Sala, die Uhr in der Aue und das Gemälde

Auch an diesem Wochenende war dOCUMENTIERT wieder einmal unterwegs. Trotz des eher mäßigen Wetters, hat es mich in die Aue verschlagen, um dort das Kunstwerk von Anri Sala zu suchen. Die Uhr am Ende des Hirschgrabens. Nachdem ich erst einmal den falschen Graben abgesucht habe (vorher eine Karte anzugucken hätte das verhindern können) und an einigen Kunstwerken anderer Künstler vorbei geschritten war, fand ich sie doch noch. Eine Uhr in der Aue. Aha, schön. Und was soll diese Uhr dort? Auf dem Weg dorthin musste ich an Salvador Dali denken oder an ein Zitat aus einem Gaspar Noé Film „die Zeit zerstört alles“. Nein aber mit alledem hat diese Uhr hier nichts zu tun.

Nun stand ich vor dieser Uhr und stellte fest: Egal wie man sich dreht und wendet, man hat immer den Eindruck, sie nie aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. So erging es nicht nur mir, sondern anderen Besuchern der Uhr auch, wie ich bei meinem Besuch feststellen durfte. Die Perspektive ist das Geheimnis. Sie ist verkürzt, und die Uhr ist nicht rund sondern elliptisch. Aber warum baut man nun so eine Uhr und deklariert sie als Kunst? Für die Antwort auf diese Frage müssen wir den Schauplatz verlagern, den ganzen Graben entlang wieder zurück laufen, über die Wiese, in die Orangerie, vorbei am Kassen- personal, die Treppe hoch in den erste Stock und auf die „Brücke“. Dort nämlich sind Fernrohre aus vergangenen Zeiten installiert, extra für die dOCUMENTA (13) noch zwei weitere. Schaut man nun durch genau diese zwei hindurch sieht man, die Uhr von Anri Sala. Des Rätsels Lösung ist das aber immer noch nicht. Der Schlüssel ist in der Uhrenabteilung des astronomisch- physikalischen Kabinetts der Orangerie. Betritt man den Raum von der Brücke aus, steht auf der rechten Seite eine graue Wand, an dieser hängt ein Gemälde von einem Herren namens Ulbricht, welches 1825 entstand. Darauf ist ein Schloss zu sehen und etwas Landschaft. Das Besondere ist nun aber, dass in das Gemälde eine Uhr eingearbeitet ist, mit einem richtigem Uhrwerk. Sie erscheint jedoch nicht perfekt in das Bild eingearbeitet. Die Perspektive stimmt nicht. Und warum? Weil diese Uhr, wenn sie perspektivisch richtig in das Bild eingearbeitet worden wäre, nicht mehr exakt laufen würde. Von diesem Bild nun ließ sich Sala inspirieren und hat eine Uhr konstruieren lassen, die perspektivisch genau in das Bild passen würde und, jetzt kommts, auch noch exakt läuft. Ein Meisterwerk der Technik. Sala interessiert sich nämlich für das Verhältnis zwischen „Zeit“ und „Tempo“ und hat für die dOCUMENTA (13) eine Korrektur des Gemäldes von G. Ulbricht erschaffen. Das Alles und noch einige Hintergrund Informationen über Anri Sala mehr, sind in dem Begleitbuch zur dOCUMENTA (13) verewigt und auch noch einmal für die Nachwelt zum nachzulesen festgehalten.

Die Uhr ist also eigentlich ein Teil des Gemäldes von G. Ulbricht und das ist des Rätsels Lösung.

Foto: Jennifer Schreiber

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