Wie die Zeit vergeht…

Der Sommer neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu, so auch die dOCUMENTA (13) in Kassel. 100 Tage bescherte die Weltkunstausstellung Kassel Internationalität, Kultur und vor allem Aufmerksamkeit.

Wie die Zeit vergeht, zeigt uns die dOCUMENTA: Für Einige verfliegt sie zu schnell, für Andere geht sie gar nicht um. Die Ausstellung findet an sehr vielen Standorten in Nordhessen statt. Für Besucher, die im Besitz einer Tageskarte sind, könnte dies eine Misere sein. Denn es ist unmöglich, alle Museen, Plätze, Kinos und andere Einrichtungen an nur einem Tag zu besichtigen. Es ist vielleicht auch gar nicht wichtig, alles zu sehen. Vielmehr geht es darum, sich seine Zeit so einzuteilen, dass man seine eigene Tour kreiert, in der alles enthalten ist, was man persönlich als sehenswert empfindet. Leider spielt auch in diesem Fall die Zeit eine wichtige Rolle. Aufgrund der sehr hohen Besucherzahl der dOCUMENTA, sind die Wartezeiten vor Ort extrem lange. Um die Installation „The Refusal of Time“ von William Kentridge zu besichtigen, warten die Besucher bis zu zwei Stunden auf die Gewährung des Einlasses.

Dass die Zeit Spuren hinterlässt, zeigt Yan Leis Installation in der dOCUMENTA Halle: Wie bereits in einem Artikel auf documentiert. beschrieben, werden seine Medienbilder nach und nach mit eintöniger Farbe übermalt, um so die Vergänglichkeit und das Voranschreiten der Zeit zu demonstrieren. Hier hatte man eben nicht alle Zeit der Welt, um sich die Bilder auf Leinwand anzuschauen.

Im Falle des Projektes von Theaster Gates im Hugenottenhaus ist es der umgekehrte Fall: Je mehr die Zeit vergeht, umso mehr entsteht im zuvor stillgelegten Haus. Die Projektteilnehmer aus Chicago erledigten mit der Zeit immer mehr von ihren Aufgaben.

Hugenottenhaus dOCUMENTA

Hugenottenhaus dOCUMENTA

Die dOCUMENTA erlaubt in vieler Hinsicht den Bewussten Umgang und die Nutzung der Zeit: Man wird mit Vergangenheit und Zukunft konfrontiert. Die Aufgabe des Besuchers ist es, das Vermittelte in seine Gegenwart einzuordnen und zu entscheiden, inwiefern die Zeit in welcher Rolle in sein Leben tritt.

Sicher ist jedoch, dass die Weltkunstausstellung der Stadt Kassel eine tolle und abwechslungsreiche Zeit geboten hat, in der viele Kunstinteressierte aus aller Welt aufeinander trafen und den Geist der dOCUMENTA belebten. Ein Ergebnis, auf das der Gründer der ersten Ausstellung Arnold Bode stolz gewesen wäre: Ein kulturelles Ereignis, das für 100 Tage die Welt bündelt, unter den für uns heute selbstverständlichen Prämissen der Toleranz, der Offenheit und des Respekts.

Christina Hooge

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s