The End – …und was bleibt?

Nach 100 Tagen geht die Documenta 13 in Kassel heute zu Ende und kann sich erneut über einen Rekord freuen: 860.000 Besucher haben seit Beginn der Kunstausstellung im Juni die Documenta besucht, dazu kommen noch weitere 27.000 Besucher des Ausstellungsortes in Kabul. Bei der Documenta 12 vor fünf Jahren waren es „nur“ 750.000, was damals jedoch auch schon ein Rekord war. Doch was geschieht nach der Documenta? Welche Kunstwerke bleiben bestehen, welche müssen verschwinden und was weiß man bereits jetzt schon über die Planung der nächsten Documenta?

Der Artikel Was von der documenta (13) bleibt der Main Post online  bietet erste Antworten und weitere Informationen für Alle die interessiert, wie es nun weitergeht im kulturellen Universum Kassels.

Denn nach der Documenta ist vor der Documenta!

12 Ballads for the Huguenot House

Eines der beliebtesten Ausstellungsorte der Documenta 13, war das Hugenottenhaus. Der Künstler Theaster Gates aus Chicago hat aus dem ehemaligen Hotel ein begehbares Kunstwerk gemacht, dass äußerst viel Anklang bei den Documenta-Besuchern gefunden hat.

Ursprünglich wurde dem Künstler von der Documenta-Leitung vorgeschlagen, aus Materialien des leerstehenden Hugenottenhauses Skulpturen anzufertigen, ganz im Sinne von „Zusammenbruch und Wiederaufbau“. Stattdessen entschied sich Theaster Gates jedoch, das historische Haus zu renovieren,mit Materialien aus Abbruchhäusern aus Chicago. Dabei wurde Gates unterstützt von einem Team aus Auszubildenden und Arbeitern aus Chicago und Kassel, die teilweise sogar im Hugenottenhaus übernachteten, natürlich in Betten, die sie zuvor selbst aus den recycelten Materialien gebaut hatten.

Neben der Beobachtung der Entwicklung der Bauarbeiten im Hugenottenhaus, konnten die Besucher der Documenta auch viele unterschiedliche Künstler erleben, denen dort eine Plattform gegeben wurde, um ihre Arbeit vorzustellen, unter Anderem auch die Band „The Black Monks of Mississippi“ der Theaster Gates selbst angehört.

Allerdings sollte das Gebäude nicht nur äußerlich renoviert werden, sondern das Hauptziel war es, so viel öffentliches und kulturelles Interesse auf das Hugenottenhaus zu ziehen, dass es nach Ende der Documenta weiterhin  als Begegnungsstätte genutzt wird und sich als „Ort für verschiedene performative und soziale Veranstaltungen “ etabliert. Schon während der Documenta bot das Hugenottenhaus stets vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen die Möglichkeit, aufeinander zu treffen, sich kennen zu lernen, zusammen zu essen und kreativ zu sein.

Es bleibt abschließend zu hoffen, dass Theaster Gates Vorstellung von der weiteren Nutzung des Hugenottenhauses in Erfüllung geht und das bisher erzielte Ergebnis bestehen bleibt oder sogar noch weiter entwickelt wird.

ZDF mediathek: Mit Theaster Gates im Hugenottenhaus

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EU-Kommissionspräsident Barroso besucht die Documenta

Am letzen Documenta-Wochenende gab es noch einmal hohen Besuch bei der Kunstausstellung in Kassel: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stattet heute der weltweit größten Ausstellung für zeitgenössische Kunst einen Besuch ab.

Der Besuch Barrosos begann heute morgen bei einem Empfang der Stadt Kassel im Brüder-Grimm-Museum. Dort erzählte Barroso unter Anderem, dass er bereits die letzte Documenta vor fünf Jahren besucht habe. „Ich bin beeindruckt und mag dieses Konzept“. Aufgrund der Euro-Krise habe er es allerdings nicht früher geschafft, sich die Ausstellung anzusehen.

EU-Kommissionspräsident Barroso besucht die documenta

Das Ende ist in Sicht…

In wenigen Tagen geht die größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst zu Ende. Bereits jetzt befassen sich viele Medien mit der Zeit danach oder bieten einen kleinen Rückblick auf die Highlights der 13. Documenta in Kassel. dOCUMENTIERT hat hier eine Auswahl der aktuellsten Artikel zusammengestellt.

Die Welt online: Auf Streit folgt Lob und wieder Streit – Ein Rückblick auf die positiven und negativen Stimmen zur Documenta 13 und dem Geschehen drumherum

Der Westen online: Warum sich ein Besuch der Documenta 13 auch auf den letzten Drücker noch lohnt – Thomas Richter zeigt, wie man in möglichst wenig Zeit noch möglichst viel von der Documenta erleben kann

Süddeutsche online: Ende der Documenta 13 – Und dazu Urmusik aus der Geierhöhle – Die Highlights der Documenta 13

Focus online: documenta-Hund soll wieder normales Leben führen – Was passiert mit den zwei Hunden des Kunstwerks von Pierre Huyghe?

„Lieber die moderne Kunst“ oder: Documenta für Anfänger

Wart ihr bei der Kunst oder einfach nur so weg? Mit diesem Gedanken durch die Stadt geschlendert, habe ich eine kleine Gruppe auf dem Friedrichsplatz angesprochen. Heraus kam ein kurzes Gruppeninterview, dass teils tief in die Kunstseele der drei blicken lässt und teils zum schmunzeln anregt.
„Lieber modern und die Sinne betörend“, so fassen drei Mitte-Zwanziger aus Freiburg ihren Kunst- und Kulturtripp zur dOCUMENTA zusammen. „Ohne jegliche Erwartung“ seien sie gestartet, aber schon mit „Vorabrecherche und Freundeskreisverhör“. Heraus kam ein d(13)-Schlachtplan, der sie durch den Auepark führte, im Hugenottenhaus das Gruseln und Staunen lehrte, im Friedricianum leicht irritierte und in der Documenta-Halle gut unterhielt.
Die zwei Herren der Freiburg-Troika – Simon (26) und Jonathan (25) – studieren in Kassel, der eine seit einem, der andere seit zwei Jahren. Beide fühlen sich zwar langsam angekommen in Nordhessen, trotzdem überwiegt noch ein „süddeutsch geprägtes Exil-Gefühl“. Mit Kunst haben die beiden genauso viel am Hut wie ihr Besuch,  Maria (25), Physiotherapeutin. „Aber wenn jetzt schon einmal Besuch hier ist, dann nutzen wir die Gunst der Stunde und schauen es uns auch an“, so der männlich-logische Sachverstand. Auf „documentiert“ haben sie sich informiert, außerdem bei der HNA und Freunden. „Die Highlights waren schnell gebündelt, die Begeisterung im Nachhinein nicht immer ganz nachvollziehbar“, geben sie 20:30 beim Feierabendbier auf dem Friedrichsplatz erschöpft zum Besten.
Was die kleine Gruppe schnell resümieren kann, ist die geschlossene Vorliebe für medial unterstützte Kunst. Und so verwundert auch die Top 3 der Troika nicht. Auf Platz 1 setzen sie einstimmig das Hugenottenhaus mit dem Dunkelraum, in dem Gesungen und Getanzt wird. „Faszinierend zu beobachten, wie man anfangs nichts sieht und wenige Minuten später den Durchblick hat“, loben sie die Künstler aus Chicago. Platz 2 vergeben sie an den Klanggarten im Auepark, wo vor allem die Mimik der älteren Besucher „wirklich fasziniert und mit der Geräuschkulisse mitgeht“. Platz 3 in der Gunst der Gruppe geht an Nalini Malani, eine Künstlerin aus Indien, die in der Documenta-Halle ausstellt.
Was die drei im Nachhinein ärgert, ist der verpasste Besuch des Video-Walk im Hauptbahnhof: „Den hätten wir lieber noch mitgenommen als das Friedricianum“. Trotzdem sind sie rückblickend zufrieden, teils von der Kunst „angefixt“, teils noch nicht „gesetzt genug für Vitrinen-Kunst“.
Aber auch die Erkenntnis, „nicht gesetzt“ genug zu sein, kann ja durchaus als Gewinn verbucht werden. Und einen letzten, unbedingten Tipp wollen sie zum Abschied noch an die documentiert-Leser weitergeben: „Zum Chillout nach dem Kunstmarathon oder für das Radler zwischendurch, unbedingt die kleine Bar links hinterm Hauptbahnhof besuchen“!

Auf der Laderampe hinterm Bahnhof – Eine Nacht in den Documenta-Locations Base 13 und Batterie

Weit abgeschlagen von der üblichen und übersichtlichen Clubszene Kassels öffnet seit Beginn der Documenta 13 allabendlich ein neuer bunter Partyzirkus seine Pforten, Base 13 und Batterie genannt. Schon der Weg dorthin vermittelt einen ersten Eindruck von der vorherrschenden Stimmung: Wenig beleuchtet, über Pflastersteine, hinter dem Hauptbahnhof entlang, die Güter- und Rampenstraße, die erst in diesem Jahr nach Joseph Beuys benannt wurde. Schon aus der Ferne hört man das “Wummern” von Bässen.

Im ehemaligen Zollamt befindet sich der Club mit dem nüchternen Namen „Batterie“. Er ist innen weiß gefliest, mit ebenfalls gefliesten Podesten links und rechts. Auf dem linken Podest tanzen einige glatzköpfige Männer, mit engen Muskelshirts -sehr expressiv- zu lauter Technomusik. Es ist heiß, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es riecht nach Schweiß und Alkohol. Auf dem rechten Podest tanzt eine Asiatin mit Brille, die wild ihre Arme in der Luft wirft und umher schwingt, neben ihr ein hagerer Mann mit schulterlangen, gewellten Haaren und Paillettenhemd. Das DJ-Pult befindet sich “vor Kopf”, ebenfalls auf einem Podest, auf das man nur über eine Treppe kommt. Der DJ im dunkelgrünen Hawaiihemd und lockigen, ins Gesicht hängenden Haaren, konzentriert sich abwechselnd auf seine Plattenteller und seine exzentrischen Tanzbewegungen. An der Decke hängen bunte Luftballons und Girlanden. Schon in den ersten Minuten regnen auf neue Besucher viele Sinneseindrücke ein.

Wer es nicht mehr aushält, schweißgebadet zwischen ebenfalls schwitzenden Menschen zu stehen, begibt sich zurück in den karg eingerichteten Vorraum des kleinen Clubs und versucht durch eine Durchreiche Kontakt zum Thekenpersonal aufzunehmen. Dies scheint jedoch leicht überfordert oder unterhält sich ausgiebig mit den Gästen, während andere in der Schlage warten. Die Auswahl der Getränke ist klein, für Documenta-Verhältnisse jedoch günstig. Schnaps gibt es in kleinen Plastikbechern, Wodka oder Tequila für 2 Euro.

Vor dem Club sitzen größtenteils junge Leute, wahrscheinlich Studenten und Künstler oder Kunstinteressierte, durchaus internationales Publikum, man könnte sie alle als Hipster bezeichnen.

Ein paar Schritte weiter Richtung Ende der Straße, erblickt man vor sich einen riesigen Schrotthaufen, ein Kunstwerk der Documenta von Lara Favaretto. Direkt daneben befindet sich die Base (13), eine überdachte Freiluftbar, die während der Zeit der Documenta am Ende einer alten Lagerhalle auf einer langen Rampe eröffnet wurde. Dort kann man sich entweder auf altem Schulmobiliar und Liegestühlen niederlassen oder auf sich auf der Tanzfläche, die einem unendlich lang erscheint, zu elektronischer Musik bewegen. Die Stimmung ist betont locker, das Publikum genauso, wie das bei der Batterie. Vermutlich bewegen sich die Gäste einfach den ganzen Abend und die ganze Nacht zwischen diesen zwei Orten hin und her, bis zum Sonnenaufgang und darüber hinaus.

Schon nach einer Nacht zwischen Batterie und Base fühlt man sich wie in einer anderen Stadt, “Berlin Calling” statt Kassel. Dazu ist das Publikum an diesem Ort viel zu bunt und gelassen. Man merkt, dass Kassel Potential hat, mit der Partyszene von Großstädten mitzuhalten, selbst wenn es nur für 100 Tage ist, der Laufdauer der Documenta 13.

Vom Unsichtbaren zum Sichtbaren

Nicht nur visuell, sondern auch kulinarisch hat die Documenta Einiges zu bieten. Und das nicht nur an den Bars und Ständen rund um den Friedrichsplatz. Ein Projekt von  Robin Kahn und Peter Lamborn Wilson für die Documenta verbindet Kunst mit Cuisine.

Mein erster Spaziergang durch die Karlsaue führte mich unter Anderem an einem orientalischen Zelt und einem Campingwagen vorbei, von dem mir ein appetitlicher Duft entgegen wehte.

©50bananas

Es handelte sich hierbei um The Art of Sahrawi Cooking von Robin Kahn & La Cooperativa Unidad Nacional Mujeres Saharauis (The National Union of Women from Western Sahara). Hintergrund dieses Aufbaus ist das Aufmerksammachen auf das Schicksal der Bewohner der Westsahara, insbesondere der Frauen, die durch die Annektierung ihres eigenen Landes durch Marokko staatenlos geworden sind. Seitdem verschwindet das gesamte Volk der Westsahara nach und nach aus dem Bewusstsein der Menschen.

Besucher kosten den lecker duftenden Couscous

©50bananas

©50bananas

Die Idee für das Projekt  in der Karslaue entstand durch einen Traum des Dichters und Historikers Peter Lamborn Wilson, der neben dem Künstler Robin Kahn für das Wüstenzelt verantwortlich ist. Wilson sah in diesem Traum Frauen aus der Westsahara, die für die Besucher der Documenta Couscous zubereiten. Aus dem Traum wurde Wirklichkeit. Aus den Unsichtbaren wurden Sichtbare.

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Von 12 bis 19 Uhr wird in regelmäßigen Abständen Couscous angeboten. Außerdem ist man auch gern gesehener Gast in dem mit Teppichen ausgelegten Zelt, wo man mit den überaus freundlichern Bewohnern Tee trinken kann.

Aspekte-Sondersendung zur dOCUMENTA (13)

Viel Natur, ein großer Schrotthaufen und Pauline,die Hündin: so leitete die Moderatorin Katty Salié die letzte Aspekte-Sondersendung am 08.06.12 zur dOCUMENTA (13) ein. Hierbei wird dem Zuschauer ein kleiner Rundumschlag über die Geschichte der Documenta in Kassel, die verschiedenen Künstler und die Bedeutung von Hunden für die Ausstellung geboten.

Die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Blick

Ist das ihr ernst?

Nadja Sayej vom Vice-Magazin befasst sich mit dem, auf der internationalen Reisemesse ITB herausgegebenen, Media Kit der dOCUMENTA (13) und den darauf vorhandenen bzw. nicht-vorhandenen Bildern von Kunstwerken, die auf der dOCUMENTA (13) ausgestellt werden. Und dabei stellt sich die Frage: Ist diese scheinbare Unprofessionalität von der Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev kalkuliert oder tatsächlich unbeabsichtigt?

DIE DOCUMENTA (13) UND DIE PRESSEMAPPE DES GRAUENS