Die Zeit wird knapp – Tipps für einen dOCUMENTA (13)-Besuch für das letzte Wochenende

Nur noch zwei Tage, dann ist die dOCUMENTA (13) leider vorbei. Sie haben noch nicht alle Kunstwerke gesehen oder haben sich erst jetzt spontan entschieden, die größte Kunstausstellung der Welt zu besuchen? Bloß keine Hektik! Ich möchte Ihnen aus meiner eigenen Erfahrung vielleicht den einen oder anderen nützlichen Tipp geben, der Ihnen bei Ihrem Rundgang helfen könnte.

Blick auf das Fridericianum mit den berühmten „Joseph Beuys-Bäumen“ © Livia Blum

1. Früh aufstehen lohnt sich: Um 09.45 Uhr öffnet bereits die Ticket-Kasse zur dOCUMENTA (13). Wer rechtzeitig ansteht, kann sich sein Ticket als einer der Ersten ergattern.

2. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Die riesigen Schlangen vor dem Fridericianum und der documenta-Halle haben mich schon abgeschreckt. Deshalb beschloss ich, meinen Rundgang danach auszurichten, wo nicht so viel Andrang herrschte. Mein Tipp: Besuchen Sie vielleicht zuerst das Ottoneum, das Gebrüder Grimm Museum und die Neue Galerie, dort geht es meistens sehr zügig voran und es herrscht nicht so viel Besucheransturm.

3. Wenn Sie am Hauptbahnhof den Massen entgehen wollen, sollten Sie Ihre Besichtigung vielleicht im Südflügel beginnen und danach erst zum Nordflügel gehen. Dort müssen Sie nämlich wahrscheinlich etwas länger anstehen.

4. Ich habe gemerkt, dass an den Orten abseits der Hauptschauplätze meistens keine Warteschlangen entstehen: Das Grand City Hotel Hessenland, das Kaskade Kino, die Spohrstraße 7 oder die Handwerkskammer etc. sind meistens sehr schnell zugänglich.

5. Suchen Sie die Standorte, bei denen der Zugang auf eine bestimmte Besucheranzahl beschränkt ist, am besten erst gegen Abend auf. Gegen 18.30 Uhr herrschte vor der documenta-Halle und dem Friedericianum wenig Andrang und ich hatte kaum Wartezeit.

6. Wer dem finalen Trubel jedoch völlig entgehen möchte, dem würde ich raten, sich einen schönen Tag in der Karlsaue zu machen. Dort gibt es auch eine Menge toller Werke zu sehen und die Menschenmassen verteilen sich in dem riesigen Park.

7. Am besten: Hetzen Sie nicht von A nach B, nur, weil Sie vielleicht alles in Kürze noch sehen wollen. Interessieren Sie vielleicht einige Kunstwerke besonders? Ich habe mich letztes Wochenende zu Beginn meiner Tour wahnsinnig abgemüht, weil ich alles noch mal gerne sehen wollte. Da mir dies aber wenig Spaß machte, habe ich mich dann doch lieber auf ein paar Standorte beschränkt, die mir die letzten Monate am besten gefallen haben. Mir war die Muße, das jeweilige Kunstwerk erneut genauer anzusehen einfach mehr wert, als alles noch einmal zu betrachten. Aber das liegt ja an jedem Besucher selbst, wie er seinen Rundgang auf der dOCUMENTA (13) gestaltet. Die einen mögen die Hektik, die anderen brauchen Ruhe – Hauptsache Sie genießen die letzten Tage der Ausstellung.

Ich wünsche Ihnen noch zwei schöne, erlebnisreiche Kunsttage in Kassel!

(lb)

Lange Besucherschlangen zum Ende der dOCUMENTA (13)

Kassel platzt zurzeit aus allen Nähten. Der Grund: Kunstbegeisterte aus aller Welt wollen die wenigen verbleibenden Tage noch nutzen, um dOCUMENTA (13)-Luft zu schnuppern und letzte Blicke auf die Kunstwerke zu erhaschen.

Es ist bald soweit, die größte Weltausstellung für zeitgenössische Kunst schließt in drei Tagen endgültig ihre Pforten. Das Ende der dOCUMENTA (13) wird an diesen letzten Tagen deutlich sichtbar: Überall, wohin das Auge auch blickt, sieht man zahlreiche Menschen anstehen und warten. Sie hoffen, dass die Schlangen rasch kürzer werden, denn viele beliebte Standorte sind auf Besucherzahlen beschränkt. Ob vor dem Fridericianum, der documenta-Halle – wie auf diesem Foto sichtbar – oder an verschiedenen Stationen am Hauptbahnhof, es bilden sich lange Schlangen von interessierten Besuchern. Dies verlangt den Kunstbegeisterten viel Geduld und Durchhaltevermögen ab.

Die Schlange zur documenta-Halle reicht schon bis zum Staatstheater
© Livia Blum

Wer beispielsweise letzten Samstag die Arbeit „The Refusal of Time“ des Künstlers William Kentridge (* 1955) genießen wollte, der musste teilweise gut zwei Stunden ausharren, da die Einlasszahl zu diesem Werk auf ca. 50-60 Personen begrenzt war. Gelohnt hat sich das Warten allemal, wenn es auch viel Kraft und Ausdauer gekostet hat.

Festhalten lässt sich auf jeden Fall: Dass die dOCUMENTA (13) die Menschen nach wie vor begeistert, dass das Interesse an den vielseitigen Kunstwerken anscheinend nicht abnimmt und dass bestimmt dem einen oder anderen Kunstliebhaber in den nächsten Wochen in Kassel etwas fehlen wird: Nämlich die Magie und Faszination, die die Weltkunstausstellung verbreitet hat und vielleicht auch der Austausch und ein netter Plausch mit Gleichgesinnten.

(lb)

Ein Paradies für Schmetterlinge – Kristina Buchs „The Lover“

Sträucher, Bäume und Blumen: Buch schafft mit ihrer Installation auf dem Kasseler Friedrichsplatz vor dem Staatstheater eine Oase für Tagfalter.

Ich nähere mich an einem eher trüben und windigen Tag dem Kunstwerk der deutschen Künstlerin und studierten Biologin Kristina Buch (* 1983). Fasziniert beobachte ich die Vegetation, bestehend aus verschiedenen Gewächsen, die auf einem erhöhten Podest zu sehen ist. Ich höre, wie der Wind durch die Luft jagt und die Blätter zum Rascheln bringt, ich höre das Summen der Bienen und ich höre aber auch das Heulen lauter Motoren – denn die gebürtige Meerbuscherin platzierte ihr Werk direkt neben der gut befahrenen Kasseler Hauptstraße. Extra für die Tagfalter hat sie in ihrer Installation mehrere Schmetterlingssträucher gepflanzt, die als Nahrungsquelle und Herberge für diese dienen. An diesem Tag habe ich leider nur wenige Schmetterlinge sichten können, bei dem Wetter wundert es mich auch nicht.

Schmetterlingsstrauch
© Livia Blum

Buch ermöglicht Tagfaltern optimale Lebensbedingungen

Ihr Kunstwerk für die dOCUMENTA (13) „The Lover“ besteht aus einem Gerüst, das einen riesigen Pflanzkasten trägt. Es handelt sich hierbei um einen „hängende[n] Garten“ (Begleitbuch, S. 50). Buch pflanzte mit System: In der Mitte des Beetes setzte sie verschiedene farbenfrohe Blumenarten, die ihre volle Blütenpracht bereits entfaltet haben. Diese umrandete sie mit Disteln und Brennnesseln, welche eine besonders gute Nahrungsquelle für Schmetterlinge bieten. Aber ich sehe auch eine verdorrte Pflanze und frage mich, warum die heute in Düsseldorf lebende Künstlerin diese nicht entfernt oder sogar durch eine gesunde Pflanze ersetzt hat. Denn solch eine vertrocknete Pflanze strahlt doch kein Leben aus, sie passt nicht zu in der Luft tanzenden, bunten Schmetterlingen. Oder doch?

Vertrocknete Pflanze als Teil des Kunstwerkes?
© Livia Blum

Ein Projekt, mehrere Aussagen?

Wirft man einen Blick auf die Informationstafel, so liest man, dass sich die Künstlerin in ihrem Werk u.a. mit vielfältigen Themen wie der Vergänglichkeit, der Ungewissheit, der Hoffnung und der Freiheit auseinandersetzt. Die vielen Schmetterlinge, die während der größten Weltkunstausstellung aus ihren Puppen geschlüpft sind, symbolisieren Freiheit, wie dem Begleitbuch zu entnehmen ist. Sie tanzen in der Luft, flattern von Blüte zu Blüte, verlassen vielleicht das Kunstwerk – sie sind ungebunden. Indem die Künstlerin selbst während der dOCUMENTA (13) neue Puppen zieht und diese in ihrem Werk aussetzt, schafft sie dadurch neues Leben, das für mich für Hoffnung und Zukunft steht.

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Biowiese als Lebensraum für Falter

Eine Aussage aus einem Interview-Ausschnitt von Buch lässt mich grübeln. Sie sagt, dass Schmetterlinge vielleicht gar nicht so frei seien, da sie doch den Nektar der Pflanzen als Nahrung bräuchten, um überhaupt leben zu können. Mir stellen sich die Fragen: Was wird mit Schmetterlingen und anderen Lebewesen passieren, wenn wir Menschen immer mehr Wälder abholzen und beispielsweise unsere Rasenflächen weiterhin akkurat mähen? Nehmen wir den Tieren damit nicht die Grundlage zum Leben? Buchs Projekt regt mich zum Denken an und bringt mich zu dem Entschluss, den Schmetterlingen in meinem Garten ein Stück Natur zurückzugeben – und zwar in Form einer kleinen Fläche, die nicht gemäht wird und auf der Wildblumen gesät werden.

Der Lebenskreislauf?

Die vertrocknete, leblos aussehende Pflanze könnte meiner Meinung nach für Vergänglichkeit stehen. Für eine gewisse Zeit entfaltet sie ihre komplette Schönheit, aber irgendwann ist ihre Lebensdauer vorbei und sie vertrocknet. Möchte Kristina Buch in ihrem Werk vielleicht den Kreislauf des Lebens anhand der Pflanzen und Schmetterlinge darstellen? – Die Entstehung neuen Lebens, das Leben selbst, das so selbstbestimmt und frei wie möglich sein sollte, das Alter und schließlich den Tod?

Blumenpracht
© Livia Blum

dOCUMENTA (13)-Tagfalter in 2013?

Ob die Tagfalter auf ihrer Reise durch Kassel ihre Eier an einem geeigneten Platz ablegen und ob daraus im nächsten Jahr neue Schmetterlinge schlüpfen werden, ist ungewiss. Aber ich finde, es ist ein schöner Gedanke, dass wir vielleicht im nächsten Jahr, einem dOCUMENTA (13)- Schmetterlingsabkommen begegnen könnten.

(lb)

Kunst als Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Überlebensstrategie – Korbinian Aigner

Wenn Menschen Schlimmes erfahren, wenn ihnen die Macht und die Selbstbestimmung genommen wird, sie zu Opfern werden, dann ist es schwer, an das Überleben zu glauben. Korbinian Aigner hat es geschafft, mit Kunst und der Züchtung von Apfelsorten im Konzentrationslager zu überleben. 

Geldstrafen, Zwangsversetzungen, Verhaftungen, Gefängnisaufenthalte und Inhaftierungen im Konzentrationslager Sachsenhausen sowie Dachau – Korbinian Aigner (1885-1966) war zeitlebens politisch engagiert und ein Gegner des Nationalsozialismus. Für den Widerstand, den er gegen die NSDAP leistete, wurde er von den Nationalsozialisten in Dachau inhaftiert und erlitt schwere Traumata. In beiden KZ`s musste der so genannte „Apfelpfarrer“  Zwangsarbeit unter schweren Torturen in der Landwirtschaft ableisten.

Als Häftling mit der „Nummer 27788“ begann er im Jahre 1941 in Dachau aus Apfelkernen die Apfelsorten KZ-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4 zu züchten, was man als weiteren „Akt des Widerstandes“ (Begleitbuch, S. 34) gegen das NS-System, aber auch als Überlebensstrategie in einer schlimmen Leidenssituation mit traumatisierender Wirkung ansehen kann. Die Apfelsorte KZ-3, die später in Korbiniansapfel umbenannt wurde, wird noch heutzutage angebaut.

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Aigner war nicht nur Apfelkundler, sondern auch Künstler – und zwar Konzeptkünstler. In den Jahren 1912-1960 fertigte er ungefähr 900 verschiedene Zeichnungen von diversen Apfel- und Birnensorten im Postkartenformat an. 369 Aquarelle dieser monumentalen Bildersammlung, die einzelne Obststücke oder auch Obstpaare zeigt, sind im Kasseler Fridericianum zu betrachten.

Zum Gedenken an diesen herausragenden Mann hat die künstlerische Leiterin der dOCUMENTA (13), Carolyn Christov-Bakargiev, 2011 in der Kasseler Karlsaue einen Korbiniansapfelbaum gepflanzt. Ganz nach dem Motto: Unscheinbarer Baum, bedeutende Geschichte.

(lb)

Es plätschert und raschelt – „Untitled (Wave)“ von Massimo Bartolini

Bartolini (* 1962) bringt mit seinem minimalistischen Werk Technik und Natur in Einklang. Es bleibt die Frage: Was bedeutet es?

Ein im Boden versenktes, rechteckiges Plastikbecken gefüllt mit trübem Wasser, ein elektrischer Motor, der das Wasser in Bewegung bringt und Gerste, die das Becken umhüllt. Es fällt auf: Der Italiener, der in Cecina geboren ist und noch heute dort lebt, verbindet in der Kasseler Karlsaue künstliche mit natürlichen Materialien. Der Besucher betrachtet eine Welle, die sich gleichmäßig bewegt und vom einen zum anderen Ende wandert, aber nie über den Beckenrand schwappt. Die Installation wirkt besonders beeindruckend, wenn der Wind den Wellengang unterstützt und die Gerste am Rand raschelt und sich hin und her bewegt.

© Livia Blum

Es ist entspannend, dem regelmäßigen Lauf des Wassers zuzusehen. Aber es stellt sich auch die Frage: Was ist der Sinn dieser außergewöhnlichen Arbeit? Liest man über die „Untitled (Wave)“ nach, so haben wir das Werk richtig beobachtet und die Deutung liegt sehr nah. Der Künstler möchte mit seiner Installation den „endlosen Kreislauf des Lebens“ (Begleitbuch, S. 240) darstellen. Deshalb läuft die Welle also niemals aus und schwappt auch nicht über den Beckenrand. Sie bewegt sich immer gleichmäßig, weil sie endlos ist. Massimo Bartolini gibt den Besuchern somit Denkanstöße, sich mit den philosophischen Themenfeldern der Ewigkeit und Dauerhaftigkeit auseinanderzusetzen.

(lb)

Performance und Kunstwerk von Issa Samb

Ein Kunstwerk wirkt wie ein Paradiesvogel im verwirrenden dOCUMENTA (13)-Dschungel: Bunt, außergewöhnlich und vielfältig – das Werk regt zum Denken an.

Es ertönt eine männliche Stimme in der Karlsaue. Sie wird lauter, dann leiser, die Sprache wird schneller, bis sie für einige Minuten komplett verstummt. Neugierde führt mich zu dem Werk mit der Ausstellungsnummer 157. Ich bahne mir einen Weg durch die Menschenmenge, die sich um eine kunterbunte Baum-Installation versammelt hat und fasziniert das Treiben beobachtet. Was passiert da? Wer spricht? Ich sehe einen dunkelhäutigen Mann, der einen farbenreichen Mantel trägt und wild agiert.

Allroundkünstler Issa Samb in Aktion
© Livia Blum

Ein Mann mit vielen Gesichtern

Wie ich bemerke, bin ich am 08.06.2012, in der Eröffnungswoche der dOCUMENTA (13),  mitten in eine spontane Performance des senegalischen Künstlers Issa Samb (* 1945) geplatzt. Der Maler, Bildhauer, Schauspieler, Philosoph, Performancekünstler, Schriftsteller und Kritiker zeigt während seiner Performance wechselnde Gefühlszustände. Mal lächelt er freundlich, verweilt ruhig vor seiner Installation, verschränkt die Hände hinter dem Rücken und spricht gediegen. Plötzlich verstummt seine Stimme. Er bewegt sich nicht, er schaut das Publikum nur auffordernd an. Stille. Im nächsten Moment gestikuliert er euphorisch, seine Stimme wird lärmend und herrischer – laut und geräuschvoll. Sein Gesicht verzieht sich angespannt.

Issa Samb vor seiner Installation „La balance déséquilibrée (Out of balance)“
© Livia Blum

Die Gedanken fahren Karussell

Schaut man in die Runde, so erkennt man in den fragenden Gesichtern vieler Zuschauer, dass sie seine Handlungen nicht einordnen können – so wie sich seine Installation jeder Einordnung zu entziehen scheint. Verwirrung. Aber dies scheint die Menschenmassen förmlich anzuziehen. Er zieht die Menschen in seinen Bann, auch wenn die meisten wohl nicht verstehen, was er sagt. Er spricht in französischer Sprache. Als ich ihn fotografiere, schaut er mich verwirrt an, was ich nicht verstehe.

Ein Gegner der Technologie? Kaum vorstellbar…

Erst, nachdem ich mich ausführlich über ihn informierte, wurde mir klar: Der extrovertierte Mann hat eine Abneigung gegen sämtliche Technologie. Der Gesamtkünstler, der Gedichte, Essays und Romane schreibt, hat sich mit dem Gebiet der Fotografie noch nie beschäftigt. Er verwendet auch keine modernen, technischen Geräte – außer einem Radio – weil diese seiner Meinung nach die zwischenmenschliche Beziehung zerstören würden. Außerdem möchte er nicht ständig auf der Suche nach Anerkennung oder der Anhäufung von Reichtümern sein. Um sich aber an sein Werk „La balance déséquilibrée (Out of balance)“, dt. „Die unausgeglichene Waage (Aus dem Gleichgewicht)“, annähern zu können, sollte man sich zunächst mit dem Menschen Issa Samb beschäftigen. Welche Weltauffassung hat er? Was hat ihn geprägt?

Samb, der Kritiker

Issa Samb studierte in den 60iger Jahren in Dakar, der Hauptstadt Senegals, Kunst und Philosophie. 1974 gründete er mit verschiedenen Künstlern das Laboratoire Agit-Art. Es handelte sich um eine Künstlergruppe, die sich mit zeitgenössischer afrikanischer Kunst beschäftigte. Sie stellte eine Gegenbewegung zu der Kulturpolitik des senegalischen Dichters und Präsidenten Léopold Sédar Senghor (1906-2001) dar, unter dem Kunst und Politik staatlich geleitet waren. Diese Schranken durchbrach die Künstlergruppe mit Installationen und Performances. Kunst sollte von nun an kreativ, sozial, ästhetisch und politisch sein. Sie riefen afrikanische Bürger zur aktiven Mitarbeit auf. Die meisten Mitglieder der Gruppe sind mittlerweile verstorben. Mit Issa Samb wird der Geist der Gruppe jedoch nach Kassel getragen. Wer zu ihm mehr erfahren möchte, dem ist „Das Begleitbuch“ sowie „Das Buch der Bücher“ sehr zu empfehlen.

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Menschlichkeit und Toleranz als höchste Tugenden

Alte Bücher, Kreuze, eine Feuerstelle, eine Skulptur, bunte Stoffe und Püppchen am Baum hängend – was bedeutet das? Samb, ein Vertreter des Humanismus, möchte mit seiner Installation für Toleranz appellieren. Er selbst bezeichnet die „kulturelle und religiöse Intoleranz“ als eine „Krankheit unserer Zeit“, die geheilt werden müsse. Dies versucht er u.a. durch das riesige, weiße Kreuz zu erreichen, das an einem Baum lehnt. Er teilt ihm die Aufgabe eines Vermittlers zu: Durch das eingewickelte Kreuz sollen wir Menschen unsere Menschlichkeit und Weisheit wieder finden. Auch sollen wir lernen, Menschen, die anders als wir selbst sind – sei es deren Religion oder Lebensauffassung – zu akzeptieren. Viele weitere Kreuze überbringen diese Botschaft. Schaffen wir es nicht, das Anderssein unserer Mitmenschen zu akzeptieren, so gäbe es Kriege.

An dieser Stelle wird Sambs Weltanschauung deutlich, der nach Disziplinen wie Gewaltfreiheit, Gewissensfreiheit und Toleranz lebt und dem Charaktereigenschaften wie Freundlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft besonders wichtig sind. Es ist anzunehmen, dass Issa Samb mit der Feuerstelle, den alten Büchern und den Püppchen eine Verbindung zwischen der afrikanischen Tradition und den Menschen im 21. Jahrhundert schaffen möchte.

(lb)

Musikfreunde aufgepasst! – dOCUMENTA (13)-Drumherum

Musikfreund? Klassikfan? Instrumentenliebhaber?

Wenn das auf Sie zutrifft, kann ich Ihnen nur empfehlen, die Kunstausstellung des Spohr-Museums im Südflügel am Hauptbahnhof zu besuchen. Sie ist sehr sehenswert. Diese gehört zwar nicht direkt zur dOCUMENTA (13), was so manche/r Besucher/-in im Nachhinein bemerkt. Da aber viele Künstler im Erdgeschoss des Südflügels ihre Werke ausstellen, bin ich den bunten Stufen gefolgt und durch Zufall in das zweite Stockwerk gelangt. Dort werden Ihnen antike Instrumente, eine riesige Geigensammlung und zahlreiche Informationen zum Thema Musik geboten. Sie können Musik hören, dürfen spannende und kuriose Tests machen und sogar selbst dirigieren.

Ihr dOCUMENTIERT.-Team wünscht Ihnen eine klangvolle Zeit!

(lb)

Nachgefragt!

Wie kommt die dOCUMENTA (13) bei den Zuschauern an? Was gefällt, was nicht? dOCUMENTIERT. hat am 01.07.2012 die Lehramtsexaminantin Sandra T. aus Göttingen zu ihren Eindrücken befragt!

Livia: Sandra, danke, dass du dir Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten. Bist du heute das erste Mal auf der dOCUMENTA (13)? Sandra: Ja, ich bin heute das erste Mal hier und finde es bisher recht interessant. Ich habe mir gleich heute Morgen um 10.00 Uhr die Tageskarte gekauft, um möglichst viel sehen zu können. Es ist bis jetzt ein harter Tag mit Fußschmerzen, aber es macht Spaß. (lacht)

Sandra T.
© Livia Blum

Livia: Wie gefällt es dir bis jetzt? Sandra: Also im Großen und Ganzen gefällt es mir super. Die einen Sachen mehr, die anderen weniger.

Livia: Und welches Kunstwerk gefällt dir besonders gut? Sandra: Die „Monumentalskulpturen“ von Adriàn Villar Rojas an den Weinbergen finde ich ganz interessant.

Livia: Warum gerade diese Skulpturen? Sandra: Das Werk fasziniert mich, weil Rojas Skulpturen entworfen hat, die den Zeitgeist der Geschichte wiedergeben, obwohl sie so zerbrechlich aussehen. Damit meine ich, dass vieles, wie auch Geschichte, zerbrechen und in Vergessenheit geraten kann, wenn man nicht für Erinnerung sorgt.

Livia: Was hast du bis jetzt schon alles gesehen? Sandra: Also ich war heute schon in der documenta-Halle, im Hugenottenhaus und eben war ich am Weinberg. Heute werde ich mich wohl nur noch auf die geschlossenen Räume beschränken, denn im Auepark ist ja vieles kostenlos zugänglich. Die Werke dort werde ich an anderen Tagen erkunden. Gleich möchte ich mir die Kunst im Fridericianum noch mal anschauen.

Livia: Im Fridericianum kannst auf jeden Fall Unterschiedliches sehen. Gibt es denn ein Werk über das du unbedingt mehr erfahren möchtest? Sandra: Auf jeden Fall möchte ich gerne wissen, warum Yan Lei seine Bilder überlackiert. Ich habe mir ja sein Kunstwerk „Limited Art Projekt“ vorhin in der documenta-Halle angesehen und fand den Raum voller Bilder beeindruckend. Ich vermute, dass er damit zeigen möchte, dass Kunst vergänglich ist, was eigentlich schon der Werktitel besagt. Aber ich bin der Meinung, da muss noch mehr dahinter stecken.

Livia: Hast du sonst noch spannende Entdeckungen gemacht? Sandra: Ich muss sagen, ich finde die Ausstellung von Thomas Bayrle in der documenta-Halle wirklich sehenswert. Dieser riesige Raum, den er mit seinen Werken – den lauten, dröhnenden Maschinen – ausfüllt, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und mir fällt auf, dass die Menschen während der Ausstellungszeit kommunikativer sind als sonst. Man kommt mit ihnen leichter ins Gespräch.

Livia: Was interessiert dich besonders an der dOCUMENTA (13)? Sandra: Ich bin am meisten an der Geschichte der documenta interessiert. Aber auch der Hintergrund, wie die Werke entstanden sind und was den Künstler dazu bewegt hat, genau dieses Werk zu schaffen, finde ich sehr spannend.

Livia: Wie würdest du dein Verhältnis zur Kunst beschreiben? Sandra: Ich habe kein wirkliches Kunstverständnis. Ich bin eher dem verfallen, was schön oder sinnvoll ist. Kunst muss mir in erster Linie gefallen. Ich mag schon sehr gerne die zeitgenössische Kunst, sie sagt mir am meisten zu.

Livia: Letzte Frage. Würdest du anderen Menschen empfehlen, die dOCUMENTA (13) zu besuchen? Sandra: Auf jeden Fall. Wer Kunst und Entwicklung mag und gerne viele Menschen um sich hat, ist hier absolut richtig. Man hört andauernd andere Sprachen und sieht Menschen verschiedener Nationalitäten, das ist schon ein bisschen wie Urlaub.

Livia: Danke für das Gespräch. Ich wünsche dir noch einen spannenden und interessanten Tag auf der dOCUMENTA (13)!

(lb)

Reizüberflutung und Faszination – „In Search of Vanished Blood“ von Nalini Malani

Beeindruckende Lichtreflexe, plötzliche Dunkelheit, beängstigende Geräusche und verzerrte Kinderstimmen: Malanis Werk ist zum Gruseln und Staunen.

Um in den Raum zu gelangen, in dem Nalini Malani (* 1946) ihr Werk „In Search of Vanished Blood“ anlässlich der dOCUMENTA (13) ausgestellt hat, muss der Besucher zunächst einen tunnelartigen Gang durchlaufen. Dieser wird nur von ein paar spärlich beleuchteten Lampen erhellt. Es ist eng und dunkel, aber ich höre Musik, einen lallenden, unheimlichen Gesang. Ich betrete den Raum und entschließe mich, mich an eine Wand zu lehnen. Es ist ein befremdendes Gefühl, im Halbdunkeln durch einen Raum zu schleichen, von indischer Musik und bedrückenden Schatten an den Wänden begleitet.

© Livia Blum

 Schatten ziehen vorüber

Plötzlich wird der Raum minimal heller, aber nun sind bunte Farben zu sehen. Ich sehe, dass in der Mitte des Ausstellungsraumes fünf rotierende Zylinder an der Decke hängen. Sie sind mit verschiedenen Motiven bemalt. Es könnte sich um mythische Frauengestalten, bewaffnete Männer, Krebse, Skorpione und Schlangenwesen handeln. Sie drehen sich und werfen bunte Lichtreflexe an die Decke. Wo soll man zuerst hinsehen? Es ist unmöglich, alle Motive und Momente einzufangen. Die Musik ist leise, teilweise fast verstummt, aber man hört deutlich das Rasseln der Zylinder, immer dann, wenn sie sich drehen. Ich bemerke, dass eine Art Gong jedes Mal die Dunkelheit einleitet und es ertönt eine laute, schreiende Frauenstimme

© Livia Blum

Dunkelheit – eine unheimliche Gestalt erscheint

Wieder ist der Raum komplett schwarz, an die Wand wird eine weiße Gestalt, vielleicht eine Mumie mit verhüllten Augen, geworfen. Englische Schrift und tierartige Gebilde durchziehen ihr Bild. Die Zylinder drehen sich weiter, nach und nach werden sie schwach beleuchtet. Nun kann man einzelne Figuren erkennen, die Schatten an die Wände schlagen: Krebsähnliche Getiere, Krieger mit Waffen, betende Frauen. Es sieht so aus, als würden sie langsam an der Wand entlanglaufen. An den Wänden selbst erscheinen lediglich streifenhafte Figuren, die nicht zu identifizieren sind. Es ist still im Raum, nur die Zylinder rattern.

© Livia Blum

Blitzartiges Licht und schrille Stimmen

Nach gefühlten zehn Minuten erhellt sich der Raum und erscheint in einem künstlichen, kalten Licht. Es setzt wie ein Blitzschlag ein, ist sehr grell. Auf einmal ertönt eine erneut laute, aufdringliche Stimme. Sie hört sich blechern und verzerrt an. Zeitweise setzt diese düstere Stimme komplett aus, es ist ein beklemmendes Gefühl, weil nicht vorhersehbar ist, was nun kommt. In diesen Momenten höre ich nur klirrende und prasselnde Geräusche. Es erinnert mich an zerbrochenes Glas, Regen, manchmal auch an leises Pfeifen. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Die Raumfarbe wechselt erneut und der Raum erstrahlt in einem angenehmen Goldton, der im Laufe der Zeit in Rot oder auch Orange umschwankt. Nun ertönt aus den Lautsprechern entspannende Musik, es entsteht eine harmonische Atmosphäre. Im nächsten Augenblick beginnt das Licht zu flimmern und dazu erklingt passende Musik.

© Livia Blum

© Livia Blum

Wie kam Malani diese außergewöhnliche Darstellungsidee?

Das Video/Schattenspiel von der in Bombay lebenden, indischen Künstlerin Nalini Malani besteht aus fünf rotierenden Zylindern mit einer Länge von ca. 183 cm, sechs Kanal-Video-Schattenspielen, vier Scheinwerfern und einer facettenreichen Klanglandschaft. Sie verwendet beispielsweise ausgewählte Passagen der Kurzgeschichte „Draupadi“ von der indischen Künstlerin Mahasweta Devi. Aber wie kam sie überhaupt auf diese Collagen, mit denen sie verschiedene Themen projiziert? Im Jahre 1992 löste die Zerstörung der bereits im 16. Jahrhundert erbauten Babri-Moschee durch fundamentalistische Hindus religiöse Unruhen in Indien aus. Malani wollte darauf mit Kunst reagieren, aber so, dass ihre Botschaft eine möglichst breite Öffentlichkeit zur Kenntnis nahm. Sie entschloss sich die Grenzen des Theaters und der Malerei zu sprengen und kreierte ihre ersten Video/Schattenspiele, die noch heute eine provozierende, aber auch beängstigende Wirkung auf den Betrachter ausüben.

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Welche Themen stellt sie dar?

Malani möchte mit ihren provozierenden Projektionen auf die Missstände in der Welt, wie zum Beispiel auf die kriminalisierte Zivilgesellschaft, Flüchtlingslager in Thailand sowie an anderen Orten und auf die Unterdrückung der Frauen aufmerksam machen. Sie beschäftigt sich mit vielfältigen Themen, auch dem Scheitern zwischenmenschlicher Verständigung, wie es dem „Das Begleitbuch/The Guidebook“ und dem „Buch der Bücher“ zu entnehmen ist. Verfolgt der Zuschauer längere Zeit den projizierten Schatten an den Wänden, so erkennt er männliche Gestalten, mit einem Gewehr in der Hand und wilde Tiere, die Menschen angreifen.

Gandhi als Vorbild für Gewaltlosigkeit?

Aber in ihrem Werk „In Search of Vanished Blood“ erscheinen auch fromme, betende Menschen auf der Bildfläche, meist in Frauengestalt. Diese könnten für den Frieden auf der Welt, für Gewaltfreiheit, stehen. Sie könnten ein Verweis für den indischen Moralisten Mohandas Karamchand Gandhi (1889-1948) sein, der der politische Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung im 20. Jahrhundert war. Er sah gewaltlosen Widerstand und Verweigerung als Form politischen Handelns an und erreichte somit im Jahre 1947 das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien. Weitere weiterführende Aspekte über Gandhi können Sie in dem „Buch der Bücher“ in dem Kapitel „Die Moral der Verweigerung“, verfasst von Nalini Malani und Arjun Appadurai (S. 197-203), nachlesen.

(lb)

Top oder Flop: Was gefällt dir besser – und vor allem, warum?

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Die zwei Befragten, Vanessa R. (Studentin aus Göttingen) und Sebastian K. (Student aus Kassel), wussten während der Befragung jedoch ganz genau, was ihnen rund um die dOCUMENTA (13) gefällt und was ihnen weniger zusagt. Vielleicht gibt Ihnen dieser Fragebogen einen Anreiz, selbst zu überlegen, was ihre Kunstvorlieben sind?!

Livia: Hallo Vanessa, schön, dass du dir für ein paar kurze „entweder-oder“-Fragen zur dOCUMENTA (13) Zeit nimmst. Ich würde sagen: Los geht`s!

Livia: Teilnahme an einer d-tour oder Selbsterkundung? Vanessa: Selbsterkundung. Da kann ich mir das ansehen, was ich will und wann ich es will.

Vanessa R.
© Livia Blum

Livia: Kunst im Museum oder im Freien? Vanessa: Das ist mir nicht so wichtig. Ich finde, Kunst sollte da ausgestellt werden, wo sie am besten wirkt oder es am wenigsten schädlich für sie ist.

Livia: Fotos als Erinnerung machen oder im Gedächtnis speichern? Vanessa: Eine Mischung aus beidem. Fotos aber auf jeden Fall machen, da man ja nun wirklich nicht alles im Kopf behalten kann, was man gerne möchte. Außerdem können sie ja auch als Erinnerungsstütze dienen.

Livia: Tageskarte oder Abendkarte? Vanessa: Als Studentin habe ich gegen Abend einfach mehr Zeit und deswegen würde ich mich da für eine Abendkarte entscheiden.

Livia: Malerei oder Fotografie? Vanessa: Ich finde beides interessant. Es kommt auf das Motiv und den Aufbau an und natürlich auch, wie das Bild letztendlich gestaltet worden ist.

Livia: Performance oder Film/Video? Vanessa: Eine Live Performance schlägt so schnell nichts. Selbst dabei sein ist einfach toll. Allerdings gibt es bei Film und Video die Möglichkeit, dass mit Special Effects aller Art gearbeitet wird. Und je nachdem, was der Künstler erreichen will, kann das genau so interessant und spannend sein. Ich lasse mich also gern auf beides ein.

Livia: Alle Standorte auf der dOCUMENTA (13)-„To-do“-Liste abhaken oder einzelne Objekte genauer betrachten? Vanessa: Ich möchte so viel wie möglich sehen. Das, was einem am besten gefallen hat, sollte man aber länger und vielleicht auch mehrmals betrachten.

Livia: Hetze oder Muße beim documenta-Besuch? Vanessa: Muße. Durchhetzen ist einfach nur stressig und da kann man ja gar nicht genießen.

Livia: Schauplätze alleine erkunden oder mit Freunden/in einer Gruppe? Vanessa: Mit Freunden. Leute, mit denen man über die Werke reden kann, machen alles gleich doppelt so interessant.

Livia: Werke betrachten oder vom Künstler eingebunden werden? Vanessa: Ich betrachte Werke am liebsten einfach nur oder spreche darüber. Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich eingebunden wäre.

Livia: Werk selbst deuten oder Intention des Künstlers lesen? Vanessa: Zuerst das Werk selbst deuten und hinterher die Intention des Künstlers lesen. Das finde ich am spannendsten.

Livia: Begleitende Bücher zur documenta kaufen oder Zeitungsartikel lesen/sammeln? Vanessa: Leider bin ich immer recht knapp bei Kasse und deswegen sind Zeitungsartikel einfach die praktischere Variante.

Livia: documenta-Fanartikel kaufen oder Geld sparen? Vanessa: Leider Geld sparen.

 

Livia: Super, dass du gerade einen Moment Zeit hast. Dann lass uns mit dem Fragebogen starten, okay?

Livia: Kunst im Museum oder im Freien? Sebastian: Lieber Museum. Die Kunst im Freien der dOCUMENTA (13) sagt mir irgendwie nicht so zu, die Werke in der documenta-Halle und am Hauptbahnhof fand ich hingehen ziemlich interessant.

Sebastian K.
© Livia Blum

Livia: Teilnahme an einer d-tour oder Selbsterkundung? Sebastian: Selbsterkundung, weil ich mir lieber meine eigenen Gedanken mache.

Livia: Tageskarte oder Abendkarte? Sebastian: Abendkarte, weil ich von der Arbeit aus leider überhaupt nicht die Zeit hätte, den ganzen Tag auf der DOCUMENTA (13) zu verbringen.

Livia: Malerei oder Fotografie? Sebastian: Eher Malerei. Ich kann gar nicht genau sagen, warum mir das besser gefällt. Als ich aber zum Beispiel das Werk „Limited Art Projekt“ von Yan Lei in der documenta-Halle gesehen habe, war ich richtig beeindruckt. Er scheint sein Handwerk zu beherrschen. Dass er seine Bilder in Abständen überlackiert, finde ich wiederum schade.

Livia: Performance oder Film/Video? Sebastian: Auf jeden Fall Film/Video. Also ich bin ein großer Fan von Film und Video, gerade die Umsetzung vieler Künstler ist sehr gelungen. Das Gesamtwerk von William Kentridge „The Refusal of time“ am Hauptbahnhof fand ich bombastisch. Die laute Musik, die einen von allen Seiten beschallte, hat den laufenden Film eindrucksvoll verstärkt.

Livia: Hetze oder Muße beim documenta-Besuch? Sebastian: Hetze, weil ich möglichst viel in kurzer Zeit sehen möchte, um viele Eindrücke mit nach Hause nehmen zu können.

Livia: Schauplätze alleine erkunden oder mit Freunden/in einer Gruppe? Sebastian: Mit Freunden. Alleine macht es doch keinen Spaß und man kann sich ja auch nicht austauschen.

Livia: Werke nur betrachten oder vom Künstler selbst eingebunden werden? Sebastian: Werke nur betrachten, denn man weiß ja nie, auf welche schrägen Ideen der Künstler kommt, wenn er anwesend ist. Das wäre mir zu heikel, wobei es wiederum nicht alltäglich ist, einen Künstler live in Aktion zu sehen.

(lb)