Hinterlassene Botschaften

Bereits vor einer Woche räumten die Demonstranten des Occupy-Camps auf dem Friedrichsplatz ihre Zelte. Anstelle dieser wurden weiße Kreuze aufgestellt, als Zeichen für den Abschied von dOCCUPY. Die Beschriftungen der „Gräber“ drücken das aus, wofür die Kapitalismus-Kritiker einstehen: Liebe, Verständnis, Gleichberechtigung. Auch wenn das Camp nicht mehr existiert, sollen die Menschen verstehen, dass diese Werte allgegenwärtig sind. Sie stehen an jenem Ort, an dem zuvor die „Reihenhauszelte“ standen. An ihnen wurden Begrifflichkeiten aufgeführt, die die Kritiker als Sünden des Menschen verstehen. Zum Schluss wurde der Gedanke weitergeführt und durch Werte ersetzt, die der Mensch besitzt, aber nicht immer schätzt. dOCCUPY möchte dadurch ein Umdenken der Menschen erreichen.Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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dOCCUPY

dOCCUPY

Christina Hooge

Kritische Stimmen

Bisher gab es eher weniger negative Kritik in den Medien über die diesjährige dOCUMENTA. Ganz zum Verblüffen von Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev. Sie habe sich vorab auf hitzige Diskussionen eingestellt, die bislang noch nicht eingetroffen sind. Jetzt haben sich zwei Frankfurterinnen über ein Ausstellungswerk des guatemaltekischen Künstlers Aníbal López beschwert, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Das Video, das in der Neuen Galerie zu finden ist, zeigt ein Interview des Künstlers mit einem Auftragsmörder. López lud den sogenannten sicario nach Kassel ein, um mit ihm über Politik und Bewaffnung in Zentralamerika zu sprechen. Seine Absicht liegt darin, die Menschen über die politische Problematik in Guatemala aufzuklären, indem man in die Psyche des Mörders schaut und somit seine Denkweise verinnerlicht.

Der Künstler nutzt die weltweit öffentliche Plattform der dOCUMENTA, um auf den Guerillakrieg hinzuweisen. Die bewaffnete Bewegung besteht aus einem kriminellen Kartell, das Kontakte zu Politikern, Drogenhändlern und anderen Verbrechern pflegt. Diese Miliz findet immer größeren Zuwachs aus Repressionsgründen.

López bietet den dOCUMENTA Besuchern die Möglichkeit, hinter die Fassade zu schauen und das Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Losgelöst von unserem politischem Verständnis von Recht und Unrecht. Sicherlich appellieren die zwei Frankfurterinnen an die Moral, die bei solch einem Konflikt zwischen Bürger und Diktatur verloren scheint. Andererseits spielen andere Faktoren in dieser Kultur eine große Rolle. Angst vor dem Gesetz und der Überlebenskampf auf den Straßen sind nicht unbekannte Phänomene, die durch Ausweglosigkeit hervorgerufen werden.

Durch López‘ provokative Kunst trifft in Kassel eine Welt auf unsere, die unser Verständnis von Moral und Recht in einen neuen Bezug bringt und somit die Relationen versetzt. Die Beschwerde der beiden Frauen ist der erste Schritt in Richtung Aufklärung der gesellschaftlichen Probleme im 21. Jahrhundert.

Weitere interessante Informationen zu diesem Thema sind in dem Artikel „Videofilm mit einem Mörder“ von Katharina Scholz zu finden!

(Quelle: Begleitbuch dOCUMENTA (13))

Christina Hooge

Stur wie ein Esel !?!

Sturheit gleich Dummheit?   Nein!, sagt Sanja Ivekovic. Die kroatische Künstlerin nimmt sich die sprichwörtliche Sturheit des Esels zum Vorbild und lobt die Haltung derer, die sich mit aller Kraft widersetzen. Und zwar gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Und plötzlich geben die Esel, die mit Namensschildern versehen und in der Vitrine aufgereiht sind, einen Sinn. So gesehen war Bürgerrechtler Martin Luther King ein Esel! Und Hans und Sophie Scholl! Auch Esel! Sie alle haben sich nicht überzeugen lassen! Überzeugen lassen wovon?  Von menschenverachtenden Staatsmächten und einer wirren Überzeugung vieler, die sich lieber den Stärkeren anschließen, weil es bequemer und sicherer ist.

© Christina Dilk

Neben die riesige Vitrine hat Sanja Ivekovic ein Foto gehangen, das einen Esel in einem kleinen Pferch aus Stacheldraht zeigt. Er wird von Nazis umringt und verspottet. Es war im Jahr 1933, als die Nazis in Kassel mit verachtenden Aktionen wie diesen ihre Macht zur Schau stellten und damit auch sicherlich austesteten. Sie missbrauchten das hilflose Tier, um es zum Gespött auszustellen, zu isolieren und einer anonymen Masse gegenüberzustellen. So müssen sich auch Widerstandskämpfer fühlen. Isoliert, fassungslos, wütend.

Ruth First
Ruth First (4. Mai 1925, Johannesburg – 17. August 1982) war eine weiße, südafrikanische, anti-Apartheid Aktivistin. Sie wurde von einer ausdrücklich an sie adressierten Paketbombe in Mozambique getötet, wo sie arbeitete, nachdem sie von Südafrika dorthin ins Exil gegangen war.“

Jan Palach
Jan Palach (1948 – 1969) war ein tschechischer Student, der Selbstmord beging, indem er sich aus Protest gegen die Intervention der sowjetischen Armee am Prager Wenzelsplatz selbst anzündete.“

Oleg Vasilyevich Koshevoy
Oleg Vasilyevich Koshevoy ( 8. Juni 1926 – 9. Februar 1943) war ein ukrainischer Partisane und Mitbegründer der Untergrundbewegung Mododa hvardiya (Junge Garde), die gegen die deutsche Besatzungsmacht kämpfte. Er wurde gefoltert und 1943 hingerichtet.“

Fred Hampton
Fred Hampton (30. August 1948 – 4. Dezember 1969) war ein afroamerikanischer Aktivist und stellvertretender Vorsitzender der Illinois Chapter der Black Panther Party. Er wurde, in seiner Wohnung im Bett liegend, von einem Kommando des Cook County Illinois State’s Attorney’s Office in Zusammenarbeit mit dem Chicago Police Department und dem FBI erschossen.“

(aus einer Broschüre, die im Ausstellungsraum ausliegt)

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© Christina Dilk

Die Installation mit den Stoffeseln, die auf den ersten Blick süß und kuschelig zu sein scheint, entpuppt sich als Auflistung verfolgter, gefolterter und ermordeter Menschen.
Insgesamt sind es 53 Esel und hinter allen Stofftieren steckt ein Schicksal. Die Personen und deren Schicksale sind gegenüber der Vitrine auf der Wand aufgelistet und somit für alle Besucher direkt zugänglich. Viele Namen sind in Deutschland eher unbekannt. Menschen wie zum Beispiel Anna Politkowskaja, Fred Hampton oder Victor Jara gewinnen durch die kroatische Künstlerin auch in Deutschland an Bedeutung. Die Grausamkeit und Skrupellosigkeit mit der sie bekämpft und getötet wurden, ist erschreckend und GENAU: Einschüchternd! Menschen, die sich einer grauen, anonymen Masse oder einem mächtigen Regierungsapparat entgegenstellen, sind bis heute unerwünscht. Dass sie als stur und uneinsichtig dargestellt werden, kann nur von der einen Seite herrühren.

Alle „Esel“ sind Opfer politischer Gewalt und starben für bzw. aufgrund ihrer Überzeugung. Mit ihrer Installation, die den Namen „The Disobedient“ – die Unfolgsamen – trägt, würdigt Sanja Ivekovic alle Widerstandskämpfer und Revolutionäre, die mit einer unbeschreiblichen Kraft gegen Unterdrückung und Verfolgung gekämpft haben. Uneinsichtig und ihrer Überzeugung treu!

„We are all one“ – Die „Klau Mich Show“

Klau Mich
Radikalismus in der Gesellschaft trifft auf TV Experiment
von Dora García

    „Autorität, die Institution, ist in vielen Kämpfen in zahlreichen Feldern herausgefordert worden, vor allem aber dort, wo sie   den Menschen am stärksten die Luft zum Atmen raubt: im Gerichtssaal, im Museum, im Gefängnis, im Irrenhaus; in der Schule, der Regierung, der Armee, der Familie.“  Dora García

 „Klau Mich, Piratenpartei und Kommunikationsguerilla“ vom 22. Juni 2012

Dora García

Jörg Ruckel, Jan Mech, Darsteller, Publikum
© Daniela Rieß

Was erwarten wir von einer Bühne? Das sie bespielt wird. Natürlich! Und auch hier bricht dOCUMENTA (13) Gewohnheiten und Erwartungshaltungen. Die „Klau Mich Show“, konzipiert von Dora García, realisiert mit einer Vielzahl von Teilnehmern, unter anderem dem Offenen Kanal Kassel und dem Theater Chaosium aus Kassel, ist alles andere als eine reine Bühnenshow zum Konsumieren. Sie lebt von der Partizipation und der Ad-Hoc-Gestaltung durch das Publikum, mit dem Publikum. Mittendrin also. Mal wieder. Kommunizieren statt bloßes Antizipieren. Den Nebenmann, die Nebenfrau kennen, ein paar Worte wechseln. Und dann geht es schon los! Klappe, die erste!

„Es gibt hier kein krank oder gesund mehr – es gibt nur Spieler!“
Nein, los geht es noch nicht. Erst kommt der Moderator Jan Mech. Mit einer Begrüßung. Englisch und Deutsch. Und mit einer Anleitung, auch für das Publikum. Das wird nämlich nicht allein sein. Ein „professionelles Publikum“ wird Anregungen geben, Vormachen, Vorklatschen, zeigen, wie es geht, bei einer Show wie dieser dabei zu sein. „Wenn Sie da Unsicherheiten haben, wann es ein guter Moment ist zu klatschen“, so der Moderator, „dann orientieren Sie sich ruhig an unserem professionellen Publikum.“ Gestellt wird es vom Theater Chaosium aus Kassel, das durch seine zahlreichen Aufführungen bereits regionale Bekanntheit erlangt hat. Soziokulturelles Theater von Menschen mit und ohne Psychoseerfahrungen. Krank oder gesund. Wo verwischen diese Kategorien nicht? So auch auf der Bühne.

Die Kunst des „Bravo“
Gut, nun sind wir eingeführt in die Techniken des Publikum-Seins. Geht es jetzt los? Ja, wir steigen ein. Ach, nein. Nun üben wir erstmal Begeisterung. In verschiedenen Graden. Ja, erst ein wenig Klatschen. Dann ein wenig lauter, mit „Prima“-Rufen. Wir steigern uns!
„Ich verwirre Sie.“ Der Moderator. „Es ist sehr viel Eigenverantwortung, wie Sie sehen gerade, aber das gefällt mir sehr gut. Wenn Sie unschlüssige Reaktionen haben, ist uns das natürlich auch sehr willkommen. Ich werde Sie nicht zurechtweisen.“
Ja, wir wollen sie übernehmen, diese Eigenverantwortung. Wir wollen dabei sein, mitten drin sein. Und nicken doch noch recht Schüchtern mit dem Kopf in der Hoffnung doch nicht der oder diejenige zu sein, die auf die Bühne geholt wird. Bitte nicht. Bitte lass es endlich los gehen. Und bitte, lass uns doch ein klein, klein wenig dabei sein! Los geht’s!

Das Paar auf der Bühne. Wie es uns in viele dieser wohl gekannten Wohnzimmer zieht. Ein Streit. Eine Unsicherheit. Der eine geht. Sie bleibt. Und: Es kommt das professionelle Publikum herein. Sind wir endlich erleichtert, dass wir nun vielleicht ein wenig Spicken können, Abgucken, wie es geht? Wir erfahren:
„Heute geht es um nicht weniger als Klau mich, HAIR, Gegenkultur, Antiinstitution, die Lizenz zum Töten, Antiautorität, die ödipale Nachkriegssituation, historisches experimentelles Theater, historische Avantgarde, Piraten, Sprache, Demokratie, Transparenz, Bürgerrecht, Informationsgesellschaft, Symbole, Performance, Rituale, und Mitbestimmung.“
Musik setzt ein.

When the moon is in the Seventh House
And Jupiter aligns with Mars
Then peace will guide the planets
And love, will steer the stars

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Von „Hair“ lernen
Heute soll die Kommune, die 68‘er Thema sein. Und dann „Hair“? Nein, plakativ ist das nicht. Wir werden mehr erfahren. Und richten unsere Blicke auf: Rainer Langhans, Mitglied der Kommune I, Autor, Filmemacher, Aktivist, betritt die Bühne. Langhans, der Kontakt zu Baader und Ensslin hatte, zunächst eine Vision teilte. Jedoch nicht die Mittel und sich daher von der Gruppe (RAF) distanzierte. Langhans, Autor des Buches „Klau mich“ (1978). Ihm folgt Joachim Scharloth, Linguist und Autor des 2010 Buches „1968. Eine Kommunikationsgschichte“ sowie Jessica Miriam Zinn, Repräsentation der Piratenpartei Deutschlands.

Erstmal setzen. Denn hier. Hier dreht es sich um „Hair“, das erfahren wir alsbald. Bei „Hair“ ging es immer darum, dabei zu sein. Teil eines Ensembles zu sein. Die „vierte Mauer“ zu durchbrechen. Die vierte Wand, zwischen dir und mir, Ihnen und uns, zwischen Publikum und Schauspielern, sie soll durchbrochen werden. Die vierte Wand, die uns alle trennt, sie ist am Rand der Bühne, im Kopf, in den Formaten.
Bei „Hair“ war es anders. Da konnte das Publikum die Bühne genießen, dabei sein. Die vierte Wand wurde zerbrochen. 1968. Ist heute! Heute!

Ja, wir! We are all. We are all!

„Diesen fundamentalen Moment können wir alle erneuern.“ Diese Erfahrung der Aufhebung von Getrenntheit. Nicht nur zwischen Publikum und Bühne. Diese konventionelle Polarisierung durchbrechen. Das Publikum muss dabei mithelfen. Rufen, wie bei Hair! „We are all one. We are all one.“
„Seid bewusst, dass ihr hier seid. Wir teilen uns einen Raum und eine Zeit.“
Alle zusammen erheben. Alle aufstehen. Die Nebenfrau. Den Nebenmann anschauen. „Wir teilen eine wunderbare Präsenz, in einem wunderbaren Raum.“
Alle auf die Bühne. Wir sind alle eins. Wir teilen einen wunderbaren Raum. Das liebe professionelle Publikum, hilft den Amateuren, die noch nicht so sehr vertraut mit der Bühne sind. Ja, wir sind alle eins. „Wir bestehen alle aus den gleichen Partikeln und den gleichen Teilen. (…) Wir atmen die gleiche Luft.“
Shake Hands. Diese Energie gemeinsam aufnehmen. In einen gemeinsamen Rhythmus bringen. Wir kommen ganz nah dran. An Hair. Wir sind Hair. Wir sind hier!

„We are all one. We are all one. We are all one. We are all one.“

Nach 45 und das Erbe von 68
Nach diesem Beginn müssen wir erstmal atmen. Durchatmen. Uns reorientieren auf unseren Stühlen. Fühlen uns doch ein wenig. Deplatziert. Irgendwie. Wollen wir doch alle wieder. Eins sein. Auf der Bühne sein?
Wir tauchen ein in eine Diskussion um die Frage nach dem Mördergen, welche die 68‘er um Langhans sehr bewegte. Ob es möglich ist, die Gewalt in uns zu überwinden. Dafür müssen wir uns mit uns selbst beschäftigen. Daher haben wir diese Auszeiten gesucht. Nur mit uns selbst. So Langhans. Um diese Seite in uns zu finden. „Um einen neuen Menschen in uns zu entdecken“, so Langhans. Finden wir sie? Und wie ist die Gewalt in die 68‘er-Bewegung gekommen? Fragt er.

Jessica Miriam Zinn findet das befremdlich. Mördergen. Gewalt und solche Verbrechen, die auf gar keinen Fall zu verharmlosen sind, finden überall auf der Welt statt. Und vielleicht ist es jedem von uns möglich, eine andere Haltung zu finden. Gewaltfreiheit. In uns? „Wir müssen die Augen offen halten“, so Zinn.

Dora García

Zuschauerin und die Schamgrenze
© Daniela Rieß

Eine Diskussion über die Strömungen der 1968‘er, ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus, über Radikalität und Gewalt und wie wir uns davor bewahren können. Und mitten in Scharloths Erläuterungen unterbricht der Moderator. Es sei nun Zeit. Wir merken, ja, da war gerade eine Art Gong. Nun geht es um Nacktheit. Unser Verhältnis dazu. Dass sie nackt auftraten, damals 68. Dass vor allem Vertrauen in das Publikum dazu gehört. Für diesen Akt. Und schon wird die Blonde in der Reihe vor mir heraus gefischt. Eine englischsprachige junge Frau. Ob sie alles verstanden hätte. Ob sie wüsste, dass es hier um Nacktheit geht. Yes. Und ihr Name ist Gloria. Gloria auf der Bühne. Gloria, die gebeten wird, so viele Kleidungsstücke auszuziehen, wie es ihr Schamgefühl und ihre Sozialisation zulassen. Alles in englischer Sprache, natürlich! Atem angehalten. Sie legt die Schuhe ab. Den Gürtel. Zögert kurz. Die Hose. Und endet dabei. Applaus.

Dora García

Jessica Miriam Zinn, Rainer Langhans, Joachim Scharloth
© Daniela Rieß

Teilen statt besitzen
Jessica Miriam Zinn, die den Moderator fragt, warum er sich denn nicht ausziehe. Und er dieser impliziten Aufforderung folgt. Es Gloria gleicht tut. Bis es ihm unwohl wird. Ja, mit Kleidung habe er sich sicherer gefühlt.
Und um Sicherheit geht es auch, in der Diskussion um Datensammlung und Freiheit im Internet. Die Freiheit zu teilen, statt zu besitzen. Vielleicht die Vision der Zukunft, die die Generation heute mit den 68‘ern verbindet. Aber um „Klau mich“, also etwas zu stehlen, gehe es gerade nicht. Das Internet ist ein breiter, freier Raum und es sei, so Zinn, vor Kriminalisierung bei der Nutzung von Informationen und Daten im Netz zu warnen. Wir kennen diese Diskussion, irgendwie.

Und enden wieder mit Hair. Mit einem Tanz auf der Bühne. Ohne die vierte Wand. Miteinander. Hand in Hand. Taumeln wortgefüllt und visuell angereichert auf die Straße. Und wundern uns. Ein wenig. Sehnen uns. Zurück auf diese Bühne, tanzend zu Hair.

Dora Garcà

Tanz zu „Hair“
© Daniela Rieß

Den gesamten Dialog zur Show gibt es zum Nachlesen unter http://www.dieklaumichshow.org/transcriptions/46.pdf oder als Video auf www.dieklaumichshow.org

www.dieklaumichshow.org
http://theater-chaosium.de/

Text & Fotos: Daniela Rieß

Jonathan Meese und die dOCUMENTA

Jonathan Meese ist in der gegenwärtigen Kunstszene eine bekannte Persönlichkeit. Da könnte man meinen, dass er ein Freund oder vielleicht sogar ein möglicher Künstler der dOCUMENTA wäre. Dass dies nicht so ist, hat er gestern in Kassel auf seine ganz eigene Art und Weise gezeigt.

Die Documenta? Dünnpfiff!

Resignation: Macht es sich die Kirche damit allzu leicht?

Man mag der d(OCUMENTA) totalitäres Verhalten in Bezug auf Konkurrenzkunst vorwerfen, doch darf es sein, dass eine Institution, wie die Evangelische Kirche, sich so widerstandslos beugt? Sie wirkt paralysiert und muss sich nun mit unangenehmen Fragen zu ihrem NICHTStun auseinandersetzen.

Scheitert hier mehr als nur ein kirchlicher Ausstellungsbetrieb? Tà katoptrizómena hält den provokativen Spiegel vor – auch stilistisch: STRG+A recommended!

Aus dem Vorwort der aktuellen Ausgabe:

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Ausgabe des Magazins für Kunst | Kultur | Theologie |Ästhetik ist ein Protest, ein Ausdruck des Entsetzens darüber, dass die Evangelische Kirche sich der Herausforderung durch die Bildende Kunst der Gegenwart schnöde und grundlos entzogen hat.

[…]

Diese Provokation des NICHTS ist aber eine andere, als die, die Entscheidungsträger zu ihrer eigenen Rechtfertigung vorbringen. Diese Ideenlosigkeit provoziert Abkehr, nicht Abkehr von der Religion und von der Gottesfrage, nicht Abkehr von der Kunst, sondern Abkehr von einer Institution, die sich der Herausforderung der Zeitgenossenschaft erst gar nicht mehr stellt.

[…]

Die katholische Kirche beharrt hingegen auf Balkenhols Exponat und der Ausstellung

Die katholische Kirche beharrt auf Balkenhols Exponat und der Ausstellung

(mb)