Die Besucherzahlen der Documenta – 1955 bis heute

Documenta 13 schließt mit Besucherrekord

(mb)
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„Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden.“

Errki Kurenniemi

Das Zitat des deutschen Schriftstellers Berhold Auerbach beschreibt am besten das Phänomen, das entsteht, wenn vier fremde Menschen um das „Gruppensexophon“ stehen. Sie finden eine Ebene, auf der sie eine Einheit bilden und sich wortlos verstehen können. Die Rede ist von dem experimentellen Musikapparat DIMI-S des künstlerischen Wissenschaftlers Erkki Kurenniemi. Er funktioniert so, dass er vier Personen mittels Berührung der Elektroden miteinander verbindet und durch daraus entstehende elektrische Impulse einen Synthesizer in Bewegung setzt. Das menschliche Nervensystem bringt aufgrund seiner Funktion somit Töne und Melodien zum erklingen.

Die dOCUMENTA-Besucher sind fasziniert von diesem musischen Gerät. Zunächst sind sie überrascht und dann voller Enthusiasmus. Euphorisch berühren sie die Elektroden und experimentieren mit elektronischer Musik. Die auch genannte Liebesmaschine bringt auf diese Weise Menschen zum Lachen, zur Freude und zum Interagieren. Ein geniales Kommunikationsmittel, das die universale Sprache von Musik und Mensch hervorbringt.

 (Quelle: Begleitbuch dOCUMENTA)

 Christina Hooge

Die Zeit wird knapp – Tipps für einen dOCUMENTA (13)-Besuch für das letzte Wochenende

Nur noch zwei Tage, dann ist die dOCUMENTA (13) leider vorbei. Sie haben noch nicht alle Kunstwerke gesehen oder haben sich erst jetzt spontan entschieden, die größte Kunstausstellung der Welt zu besuchen? Bloß keine Hektik! Ich möchte Ihnen aus meiner eigenen Erfahrung vielleicht den einen oder anderen nützlichen Tipp geben, der Ihnen bei Ihrem Rundgang helfen könnte.

Blick auf das Fridericianum mit den berühmten „Joseph Beuys-Bäumen“ © Livia Blum

1. Früh aufstehen lohnt sich: Um 09.45 Uhr öffnet bereits die Ticket-Kasse zur dOCUMENTA (13). Wer rechtzeitig ansteht, kann sich sein Ticket als einer der Ersten ergattern.

2. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Die riesigen Schlangen vor dem Fridericianum und der documenta-Halle haben mich schon abgeschreckt. Deshalb beschloss ich, meinen Rundgang danach auszurichten, wo nicht so viel Andrang herrschte. Mein Tipp: Besuchen Sie vielleicht zuerst das Ottoneum, das Gebrüder Grimm Museum und die Neue Galerie, dort geht es meistens sehr zügig voran und es herrscht nicht so viel Besucheransturm.

3. Wenn Sie am Hauptbahnhof den Massen entgehen wollen, sollten Sie Ihre Besichtigung vielleicht im Südflügel beginnen und danach erst zum Nordflügel gehen. Dort müssen Sie nämlich wahrscheinlich etwas länger anstehen.

4. Ich habe gemerkt, dass an den Orten abseits der Hauptschauplätze meistens keine Warteschlangen entstehen: Das Grand City Hotel Hessenland, das Kaskade Kino, die Spohrstraße 7 oder die Handwerkskammer etc. sind meistens sehr schnell zugänglich.

5. Suchen Sie die Standorte, bei denen der Zugang auf eine bestimmte Besucheranzahl beschränkt ist, am besten erst gegen Abend auf. Gegen 18.30 Uhr herrschte vor der documenta-Halle und dem Friedericianum wenig Andrang und ich hatte kaum Wartezeit.

6. Wer dem finalen Trubel jedoch völlig entgehen möchte, dem würde ich raten, sich einen schönen Tag in der Karlsaue zu machen. Dort gibt es auch eine Menge toller Werke zu sehen und die Menschenmassen verteilen sich in dem riesigen Park.

7. Am besten: Hetzen Sie nicht von A nach B, nur, weil Sie vielleicht alles in Kürze noch sehen wollen. Interessieren Sie vielleicht einige Kunstwerke besonders? Ich habe mich letztes Wochenende zu Beginn meiner Tour wahnsinnig abgemüht, weil ich alles noch mal gerne sehen wollte. Da mir dies aber wenig Spaß machte, habe ich mich dann doch lieber auf ein paar Standorte beschränkt, die mir die letzten Monate am besten gefallen haben. Mir war die Muße, das jeweilige Kunstwerk erneut genauer anzusehen einfach mehr wert, als alles noch einmal zu betrachten. Aber das liegt ja an jedem Besucher selbst, wie er seinen Rundgang auf der dOCUMENTA (13) gestaltet. Die einen mögen die Hektik, die anderen brauchen Ruhe – Hauptsache Sie genießen die letzten Tage der Ausstellung.

Ich wünsche Ihnen noch zwei schöne, erlebnisreiche Kunsttage in Kassel!

(lb)

Lange Besucherschlangen zum Ende der dOCUMENTA (13)

Kassel platzt zurzeit aus allen Nähten. Der Grund: Kunstbegeisterte aus aller Welt wollen die wenigen verbleibenden Tage noch nutzen, um dOCUMENTA (13)-Luft zu schnuppern und letzte Blicke auf die Kunstwerke zu erhaschen.

Es ist bald soweit, die größte Weltausstellung für zeitgenössische Kunst schließt in drei Tagen endgültig ihre Pforten. Das Ende der dOCUMENTA (13) wird an diesen letzten Tagen deutlich sichtbar: Überall, wohin das Auge auch blickt, sieht man zahlreiche Menschen anstehen und warten. Sie hoffen, dass die Schlangen rasch kürzer werden, denn viele beliebte Standorte sind auf Besucherzahlen beschränkt. Ob vor dem Fridericianum, der documenta-Halle – wie auf diesem Foto sichtbar – oder an verschiedenen Stationen am Hauptbahnhof, es bilden sich lange Schlangen von interessierten Besuchern. Dies verlangt den Kunstbegeisterten viel Geduld und Durchhaltevermögen ab.

Die Schlange zur documenta-Halle reicht schon bis zum Staatstheater
© Livia Blum

Wer beispielsweise letzten Samstag die Arbeit „The Refusal of Time“ des Künstlers William Kentridge (* 1955) genießen wollte, der musste teilweise gut zwei Stunden ausharren, da die Einlasszahl zu diesem Werk auf ca. 50-60 Personen begrenzt war. Gelohnt hat sich das Warten allemal, wenn es auch viel Kraft und Ausdauer gekostet hat.

Festhalten lässt sich auf jeden Fall: Dass die dOCUMENTA (13) die Menschen nach wie vor begeistert, dass das Interesse an den vielseitigen Kunstwerken anscheinend nicht abnimmt und dass bestimmt dem einen oder anderen Kunstliebhaber in den nächsten Wochen in Kassel etwas fehlen wird: Nämlich die Magie und Faszination, die die Weltkunstausstellung verbreitet hat und vielleicht auch der Austausch und ein netter Plausch mit Gleichgesinnten.

(lb)

Das Ende ist in Sicht…

In wenigen Tagen geht die größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst zu Ende. Bereits jetzt befassen sich viele Medien mit der Zeit danach oder bieten einen kleinen Rückblick auf die Highlights der 13. Documenta in Kassel. dOCUMENTIERT hat hier eine Auswahl der aktuellsten Artikel zusammengestellt.

Die Welt online: Auf Streit folgt Lob und wieder Streit – Ein Rückblick auf die positiven und negativen Stimmen zur Documenta 13 und dem Geschehen drumherum

Der Westen online: Warum sich ein Besuch der Documenta 13 auch auf den letzten Drücker noch lohnt – Thomas Richter zeigt, wie man in möglichst wenig Zeit noch möglichst viel von der Documenta erleben kann

Süddeutsche online: Ende der Documenta 13 – Und dazu Urmusik aus der Geierhöhle – Die Highlights der Documenta 13

Focus online: documenta-Hund soll wieder normales Leben führen – Was passiert mit den zwei Hunden des Kunstwerks von Pierre Huyghe?

Kritische Stimmen

Bisher gab es eher weniger negative Kritik in den Medien über die diesjährige dOCUMENTA. Ganz zum Verblüffen von Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev. Sie habe sich vorab auf hitzige Diskussionen eingestellt, die bislang noch nicht eingetroffen sind. Jetzt haben sich zwei Frankfurterinnen über ein Ausstellungswerk des guatemaltekischen Künstlers Aníbal López beschwert, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Das Video, das in der Neuen Galerie zu finden ist, zeigt ein Interview des Künstlers mit einem Auftragsmörder. López lud den sogenannten sicario nach Kassel ein, um mit ihm über Politik und Bewaffnung in Zentralamerika zu sprechen. Seine Absicht liegt darin, die Menschen über die politische Problematik in Guatemala aufzuklären, indem man in die Psyche des Mörders schaut und somit seine Denkweise verinnerlicht.

Der Künstler nutzt die weltweit öffentliche Plattform der dOCUMENTA, um auf den Guerillakrieg hinzuweisen. Die bewaffnete Bewegung besteht aus einem kriminellen Kartell, das Kontakte zu Politikern, Drogenhändlern und anderen Verbrechern pflegt. Diese Miliz findet immer größeren Zuwachs aus Repressionsgründen.

López bietet den dOCUMENTA Besuchern die Möglichkeit, hinter die Fassade zu schauen und das Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Losgelöst von unserem politischem Verständnis von Recht und Unrecht. Sicherlich appellieren die zwei Frankfurterinnen an die Moral, die bei solch einem Konflikt zwischen Bürger und Diktatur verloren scheint. Andererseits spielen andere Faktoren in dieser Kultur eine große Rolle. Angst vor dem Gesetz und der Überlebenskampf auf den Straßen sind nicht unbekannte Phänomene, die durch Ausweglosigkeit hervorgerufen werden.

Durch López‘ provokative Kunst trifft in Kassel eine Welt auf unsere, die unser Verständnis von Moral und Recht in einen neuen Bezug bringt und somit die Relationen versetzt. Die Beschwerde der beiden Frauen ist der erste Schritt in Richtung Aufklärung der gesellschaftlichen Probleme im 21. Jahrhundert.

Weitere interessante Informationen zu diesem Thema sind in dem Artikel „Videofilm mit einem Mörder“ von Katharina Scholz zu finden!

(Quelle: Begleitbuch dOCUMENTA (13))

Christina Hooge

Ein Paradies für Schmetterlinge – Kristina Buchs „The Lover“

Sträucher, Bäume und Blumen: Buch schafft mit ihrer Installation auf dem Kasseler Friedrichsplatz vor dem Staatstheater eine Oase für Tagfalter.

Ich nähere mich an einem eher trüben und windigen Tag dem Kunstwerk der deutschen Künstlerin und studierten Biologin Kristina Buch (* 1983). Fasziniert beobachte ich die Vegetation, bestehend aus verschiedenen Gewächsen, die auf einem erhöhten Podest zu sehen ist. Ich höre, wie der Wind durch die Luft jagt und die Blätter zum Rascheln bringt, ich höre das Summen der Bienen und ich höre aber auch das Heulen lauter Motoren – denn die gebürtige Meerbuscherin platzierte ihr Werk direkt neben der gut befahrenen Kasseler Hauptstraße. Extra für die Tagfalter hat sie in ihrer Installation mehrere Schmetterlingssträucher gepflanzt, die als Nahrungsquelle und Herberge für diese dienen. An diesem Tag habe ich leider nur wenige Schmetterlinge sichten können, bei dem Wetter wundert es mich auch nicht.

Schmetterlingsstrauch
© Livia Blum

Buch ermöglicht Tagfaltern optimale Lebensbedingungen

Ihr Kunstwerk für die dOCUMENTA (13) „The Lover“ besteht aus einem Gerüst, das einen riesigen Pflanzkasten trägt. Es handelt sich hierbei um einen „hängende[n] Garten“ (Begleitbuch, S. 50). Buch pflanzte mit System: In der Mitte des Beetes setzte sie verschiedene farbenfrohe Blumenarten, die ihre volle Blütenpracht bereits entfaltet haben. Diese umrandete sie mit Disteln und Brennnesseln, welche eine besonders gute Nahrungsquelle für Schmetterlinge bieten. Aber ich sehe auch eine verdorrte Pflanze und frage mich, warum die heute in Düsseldorf lebende Künstlerin diese nicht entfernt oder sogar durch eine gesunde Pflanze ersetzt hat. Denn solch eine vertrocknete Pflanze strahlt doch kein Leben aus, sie passt nicht zu in der Luft tanzenden, bunten Schmetterlingen. Oder doch?

Vertrocknete Pflanze als Teil des Kunstwerkes?
© Livia Blum

Ein Projekt, mehrere Aussagen?

Wirft man einen Blick auf die Informationstafel, so liest man, dass sich die Künstlerin in ihrem Werk u.a. mit vielfältigen Themen wie der Vergänglichkeit, der Ungewissheit, der Hoffnung und der Freiheit auseinandersetzt. Die vielen Schmetterlinge, die während der größten Weltkunstausstellung aus ihren Puppen geschlüpft sind, symbolisieren Freiheit, wie dem Begleitbuch zu entnehmen ist. Sie tanzen in der Luft, flattern von Blüte zu Blüte, verlassen vielleicht das Kunstwerk – sie sind ungebunden. Indem die Künstlerin selbst während der dOCUMENTA (13) neue Puppen zieht und diese in ihrem Werk aussetzt, schafft sie dadurch neues Leben, das für mich für Hoffnung und Zukunft steht.

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Biowiese als Lebensraum für Falter

Eine Aussage aus einem Interview-Ausschnitt von Buch lässt mich grübeln. Sie sagt, dass Schmetterlinge vielleicht gar nicht so frei seien, da sie doch den Nektar der Pflanzen als Nahrung bräuchten, um überhaupt leben zu können. Mir stellen sich die Fragen: Was wird mit Schmetterlingen und anderen Lebewesen passieren, wenn wir Menschen immer mehr Wälder abholzen und beispielsweise unsere Rasenflächen weiterhin akkurat mähen? Nehmen wir den Tieren damit nicht die Grundlage zum Leben? Buchs Projekt regt mich zum Denken an und bringt mich zu dem Entschluss, den Schmetterlingen in meinem Garten ein Stück Natur zurückzugeben – und zwar in Form einer kleinen Fläche, die nicht gemäht wird und auf der Wildblumen gesät werden.

Der Lebenskreislauf?

Die vertrocknete, leblos aussehende Pflanze könnte meiner Meinung nach für Vergänglichkeit stehen. Für eine gewisse Zeit entfaltet sie ihre komplette Schönheit, aber irgendwann ist ihre Lebensdauer vorbei und sie vertrocknet. Möchte Kristina Buch in ihrem Werk vielleicht den Kreislauf des Lebens anhand der Pflanzen und Schmetterlinge darstellen? – Die Entstehung neuen Lebens, das Leben selbst, das so selbstbestimmt und frei wie möglich sein sollte, das Alter und schließlich den Tod?

Blumenpracht
© Livia Blum

dOCUMENTA (13)-Tagfalter in 2013?

Ob die Tagfalter auf ihrer Reise durch Kassel ihre Eier an einem geeigneten Platz ablegen und ob daraus im nächsten Jahr neue Schmetterlinge schlüpfen werden, ist ungewiss. Aber ich finde, es ist ein schöner Gedanke, dass wir vielleicht im nächsten Jahr, einem dOCUMENTA (13)- Schmetterlingsabkommen begegnen könnten.

(lb)

Fiktion oder Wirklichkeit?

Unsere Sinne arbeiten, wenn alle funktionstüchtig sind, brillant zusammen. Wie man einzelne Sinneseindrücke jedoch beeinflussen kann, wird eindrucksvoll in der Karlsaue vorgeführt.

„For a thousand years (2012)“ ist eine Klanginstallation von Janet Cardiff und George Bures Miller in einem kleinen Waldstück in der Nähe vom Aueteich, inmitten der Karlsaue. Mithilfe von 30 Lautsprechern wird die Umgebung des Waldes beschallt. Es wurden extra einzelne Baumstümpfe aufgestellt, als Möglichkeit sich hinzusetzen, um entspannt den Klängen lauschen zu können. Lässt man sich dann voll und ganz auf die Eindrücke ein und schließt womöglich die Augen, ist es zeitweilig schwer, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Es wirkt als sei man mitten im Geschehen

Alles beginnt mit einer leichten Brise, die durch die Blätter der Baumkronen zu wehen scheint. Rasch entwickelt sich der Lufthauch jedoch dramatisch zu einem Sturm. Die Sinne spielen verrückt, denn die Geräusche, die man hört, passen nicht zur optischen Umgebung (insofern es nicht in Wirklichkeit gerade stürmisch ist).
Die Klänge umgeben mich und es entsteht eine Atmosphäre, die einen in die hörbare Situation hineinzieht, so als wäre man mitten in der Szenerie. Ich beginne jeden Klang zu lokalisieren, um mir ein Bild dazu machen zu können.
Die Gefühlslage scheint sich, mit jedem neuen Element der Klanginstallation, anzupassen. Man bekommt ein regelrecht beklemmendes Gefühl als auf einmal lautes Geschrei, Schüsse, Flugzeugmotoren und fallende, explodierende Bomben und das Rattern eines Maschinengewehrs erklingen. Ich weiß, dass es nicht da ist und doch scheint es real.
Ein fallender Baum, Geräusche einer Mutter und die ihres Kindes, ein kurzer, entfernter Schrei beschließt den Höhepunkt der Installation. Ein Sängerchor kommt näher und verschwindet schnell darauf wieder und urplötzlich ist es still, die Idylle ist wieder hergestellt und wird lediglich durch die wieder einkehrende, leichte Brise und den Tiergeräuschen des Waldes erhellt.

Meister der Klangkunst

Janet Cardiff und George Bures Miller haben meiner Meinung nach eine der interessantesten und eindrucksvollsten Ausstellungsstücke der dOCUMENTA 13 zur Verfügung gestellt und zeigt recht deutlich die Schwierigkeit fiktionale von realen Eindrücken zu unterscheiden, wenn man einzelne Sinne, wie zum Beispiel das Hören, stärker beansprucht.
Ein weiteres sehr gelungenes Kunstwerk von Janet Cardiff und George Bures Miller ist der Video-Walk im Kulturbahnhof. Dieses Projekt ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese beiden Künstler ein außergewöhnliches Talent besitzen, Illusion und Wirklichkeit zu vermischen. Sehen Sie es sich an, oder besser: Hören Sie gut zu! Es lohnt sich.

Youtube – Video: © Janet Cardiff und George Bures Miller

Ausschnitt in der Soundcloud: © Jens Nerkamp

„Die Gedanken sind frei – wer kann sie erraten?“

Wer schon einmal in der Neuen Galerie vorbeigeschaut hat, dem ist sicherlich auch der große Raum mit den schwarzen Sofas und den verschiedenen Liedtexten an den Wänden aufgefallen.

Dieser Raum beinhaltet eine Klanginstallation von Susan Hiller und trägt den Titel eines bekannten deutschen Liedes, welches gegen politische Unterdrückung und für die Gedankenfreiheit steht: „Die Gedanken sind frei“.

Susan Hiller, die in den USA 1940 geboren wurde und 30 Jahre später ihre Karriere in der Kunst in London begann, nutzte 100 volkstümliche Lieder und möchte das „gesellschaftshistorische Bewusstsein“ bei den Besuchern ihrer Installation wecken. Hiller selbst sagt, dass „die Lieder evokativ für die oft unausgedrückten Ansichten und Erfahrungen vieler Menschen, vom Bauernkrieg bis zu den jüngsten Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Libyen […]“ stehen.

Das Publikum kann sich die Lieder anhören und/ oder einfach nur im Raum stehen und die vielen Liedtexte an den Wänden bewundern und auf sich wirken lassen. Susan Hiller möchte vor allem die verschiedenen Reaktionen der Menschen beobachten, die ihre Installation hervorruft und „all die Positionen, die sie anbietet, erleben.“

Jede/r die/ der während der dOCUMENTA (13) in der Neuen Galerie ist, sollte die Arbeit dieser Künstlerin ansehen beziehungsweise anhören, denn die beeindruckende Sammlung der Lieder und die Atmosphäre im Raum lädt dazu ein, in sich zu gehen und sich Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft zu machen. Zudem ist jede/r BesucherIn Teil einer Relationskette, die dadurch entsteht, dass immer andere Lieder in beliebiger Reihenfolge gewählt werden können: „Jedes Lied, das jemand auswählt, um es selbst zu hören und andere es hören zu lassen, hat das Potenzial, unerwartete Echos wachzurufen.“

Als Quelle diente: Das Begleitbuch/ The Guidebook, S. 152

Text: Katharina Scholz
Fotos: Constanze Wölm

dOCUMENTA als Plattform

Die dOCUMENTA ist vielseitig, dass sollte spätestens seit Eröffnung der 13. Auflage der weltweit bedeutendsten Kunstschau deutlich sein. Das Künstler, die die Chance bekommen hier auszustellen, eine Möglichkeit haben, die Kunstausstellung als Sprungbrett zu nutzen um zu internationalem Prestige zu gelangen, ist weitgehend bekannt. Aber nicht nur die ausstellenden Künstler nutzen die Bühne der dOCUMENTA, auch andere Künstler und Museen, aus Kassel oder anderen Städten, machen hier auf sich aufmerksam. Allen voran das Frauenmuseum Bonn, das vorwiegend weibliche Künstler und dessen Kunst ausstellt.

„Das Frauenmuseum ist kein statischer Ort mit festem Bestand, sondern ein lebendiges Haus, das sich aus der Fülle der weiblichen Kreativität und Vielfalt immer wieder erneuert.“  (Frauenmuseum Bonn)

Dieses Museum plädiert dafür, dass es auch in Kassel ein Frauenmuseum geben sollte, um den weiblichen Künstlern eine weitere und eigene Möglichkeit zu schaffen, ihre Kunst und Kreativität auszustellen.
Die Chancen sollten jedenfalls nicht schlecht stehen, weil Kassel scheinbar sehr daran gelegen ist, seine Museumslandschaft auszubauen und es würde diese sicher positiv bereichern.

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