Wir sagen: Danke und auf Wiedersehen!

Liebe Leserinnen und Leser von dOCUMENTIERT.,

leider ist die dOCUMENTA (13) nun endgültig vorbei. Die meisten Kunstwerke sind bereits abgebaut, die KünstlerInnen wieder in ihre Heimat gereist und der Sommer hat sich nun auch verabschiedet.

Was von der größten Weltkunstausstellung in Kassel bleibt, sind Erinnerungen. – Erinnerungen an eine beeindruckende und aufregende Zeit, die uns auditiv und visuell geprägt und den Kontakt zu Menschen verschiedener Nationalitäten gefördert hat. Vier Monate befand sich die Stadt Kassel in einem Ausnahmezustand. Menschenmassen pilgerten nach Hessen, um Kunst zu sehen, es herrschte permanente Parkplatznot und es bildeten sich öfters lange Besucherschlangen vor den Gebäuden.

Das ist nun vorbei. Kassel scheint zurzeit fast ausgestorben, man muss sich an dieses Stadtbild erst wieder gewöhnen. Auch unser Projekt, die Arbeit in einer Online-Redaktion, neigt sich leider dem Ende zu. Wir haben ordentlich in die Tasten gehauen, fotografiert und neue Eindrücke sowie Erkenntnisse gesammelt und weitergegeben.

Wir von dOCUMENTIERT. möchten uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihr Interesse an unserem Blog, die tollen Kommentare, aber auch für Kritik und Hinweise, bedanken. Auch hoffen wir, dass wir Sie durch Ihre dOCUMENTA-Zeit ein wenig begleiten konnten.

Ihr dOCUMENTIERT.-Team

(lb)

© Matthias Ott

And the winner is…

http://www.hna.de/documenta-13/koepfe/ganze-kleinsten-2505346.html

…Thomas Bayrle! Der Künstler wird dieses Jahr mit dem Arnold-Bode-Preis in Kassel geehrt. Somit reiht er sich mit Gerhard Richter und Rebecca Horn in die Liste der Preisträger ein. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird als Anerkennung herausragender Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Bayrle stellte bei der dOCUMENTA (13) die Installation mit dem collagierten Flugzeug und den betenden Automotoren in der dOCUMENTA Halle aus.

(ch)

Hinterlassene Botschaften

Bereits vor einer Woche räumten die Demonstranten des Occupy-Camps auf dem Friedrichsplatz ihre Zelte. Anstelle dieser wurden weiße Kreuze aufgestellt, als Zeichen für den Abschied von dOCCUPY. Die Beschriftungen der „Gräber“ drücken das aus, wofür die Kapitalismus-Kritiker einstehen: Liebe, Verständnis, Gleichberechtigung. Auch wenn das Camp nicht mehr existiert, sollen die Menschen verstehen, dass diese Werte allgegenwärtig sind. Sie stehen an jenem Ort, an dem zuvor die „Reihenhauszelte“ standen. An ihnen wurden Begrifflichkeiten aufgeführt, die die Kritiker als Sünden des Menschen verstehen. Zum Schluss wurde der Gedanke weitergeführt und durch Werte ersetzt, die der Mensch besitzt, aber nicht immer schätzt. dOCCUPY möchte dadurch ein Umdenken der Menschen erreichen.Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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dOCCUPY

dOCCUPY

Christina Hooge

The End – …und was bleibt?

Nach 100 Tagen geht die Documenta 13 in Kassel heute zu Ende und kann sich erneut über einen Rekord freuen: 860.000 Besucher haben seit Beginn der Kunstausstellung im Juni die Documenta besucht, dazu kommen noch weitere 27.000 Besucher des Ausstellungsortes in Kabul. Bei der Documenta 12 vor fünf Jahren waren es „nur“ 750.000, was damals jedoch auch schon ein Rekord war. Doch was geschieht nach der Documenta? Welche Kunstwerke bleiben bestehen, welche müssen verschwinden und was weiß man bereits jetzt schon über die Planung der nächsten Documenta?

Der Artikel Was von der documenta (13) bleibt der Main Post online  bietet erste Antworten und weitere Informationen für Alle die interessiert, wie es nun weitergeht im kulturellen Universum Kassels.

Denn nach der Documenta ist vor der Documenta!

12 Ballads for the Huguenot House

Eines der beliebtesten Ausstellungsorte der Documenta 13, war das Hugenottenhaus. Der Künstler Theaster Gates aus Chicago hat aus dem ehemaligen Hotel ein begehbares Kunstwerk gemacht, dass äußerst viel Anklang bei den Documenta-Besuchern gefunden hat.

Ursprünglich wurde dem Künstler von der Documenta-Leitung vorgeschlagen, aus Materialien des leerstehenden Hugenottenhauses Skulpturen anzufertigen, ganz im Sinne von „Zusammenbruch und Wiederaufbau“. Stattdessen entschied sich Theaster Gates jedoch, das historische Haus zu renovieren,mit Materialien aus Abbruchhäusern aus Chicago. Dabei wurde Gates unterstützt von einem Team aus Auszubildenden und Arbeitern aus Chicago und Kassel, die teilweise sogar im Hugenottenhaus übernachteten, natürlich in Betten, die sie zuvor selbst aus den recycelten Materialien gebaut hatten.

Neben der Beobachtung der Entwicklung der Bauarbeiten im Hugenottenhaus, konnten die Besucher der Documenta auch viele unterschiedliche Künstler erleben, denen dort eine Plattform gegeben wurde, um ihre Arbeit vorzustellen, unter Anderem auch die Band „The Black Monks of Mississippi“ der Theaster Gates selbst angehört.

Allerdings sollte das Gebäude nicht nur äußerlich renoviert werden, sondern das Hauptziel war es, so viel öffentliches und kulturelles Interesse auf das Hugenottenhaus zu ziehen, dass es nach Ende der Documenta weiterhin  als Begegnungsstätte genutzt wird und sich als „Ort für verschiedene performative und soziale Veranstaltungen “ etabliert. Schon während der Documenta bot das Hugenottenhaus stets vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen die Möglichkeit, aufeinander zu treffen, sich kennen zu lernen, zusammen zu essen und kreativ zu sein.

Es bleibt abschließend zu hoffen, dass Theaster Gates Vorstellung von der weiteren Nutzung des Hugenottenhauses in Erfüllung geht und das bisher erzielte Ergebnis bestehen bleibt oder sogar noch weiter entwickelt wird.

ZDF mediathek: Mit Theaster Gates im Hugenottenhaus

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Wie die Zeit vergeht…

Der Sommer neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu, so auch die dOCUMENTA (13) in Kassel. 100 Tage bescherte die Weltkunstausstellung Kassel Internationalität, Kultur und vor allem Aufmerksamkeit.

Wie die Zeit vergeht, zeigt uns die dOCUMENTA: Für Einige verfliegt sie zu schnell, für Andere geht sie gar nicht um. Die Ausstellung findet an sehr vielen Standorten in Nordhessen statt. Für Besucher, die im Besitz einer Tageskarte sind, könnte dies eine Misere sein. Denn es ist unmöglich, alle Museen, Plätze, Kinos und andere Einrichtungen an nur einem Tag zu besichtigen. Es ist vielleicht auch gar nicht wichtig, alles zu sehen. Vielmehr geht es darum, sich seine Zeit so einzuteilen, dass man seine eigene Tour kreiert, in der alles enthalten ist, was man persönlich als sehenswert empfindet. Leider spielt auch in diesem Fall die Zeit eine wichtige Rolle. Aufgrund der sehr hohen Besucherzahl der dOCUMENTA, sind die Wartezeiten vor Ort extrem lange. Um die Installation „The Refusal of Time“ von William Kentridge zu besichtigen, warten die Besucher bis zu zwei Stunden auf die Gewährung des Einlasses.

Dass die Zeit Spuren hinterlässt, zeigt Yan Leis Installation in der dOCUMENTA Halle: Wie bereits in einem Artikel auf documentiert. beschrieben, werden seine Medienbilder nach und nach mit eintöniger Farbe übermalt, um so die Vergänglichkeit und das Voranschreiten der Zeit zu demonstrieren. Hier hatte man eben nicht alle Zeit der Welt, um sich die Bilder auf Leinwand anzuschauen.

Im Falle des Projektes von Theaster Gates im Hugenottenhaus ist es der umgekehrte Fall: Je mehr die Zeit vergeht, umso mehr entsteht im zuvor stillgelegten Haus. Die Projektteilnehmer aus Chicago erledigten mit der Zeit immer mehr von ihren Aufgaben.

Hugenottenhaus dOCUMENTA

Hugenottenhaus dOCUMENTA

Die dOCUMENTA erlaubt in vieler Hinsicht den Bewussten Umgang und die Nutzung der Zeit: Man wird mit Vergangenheit und Zukunft konfrontiert. Die Aufgabe des Besuchers ist es, das Vermittelte in seine Gegenwart einzuordnen und zu entscheiden, inwiefern die Zeit in welcher Rolle in sein Leben tritt.

Sicher ist jedoch, dass die Weltkunstausstellung der Stadt Kassel eine tolle und abwechslungsreiche Zeit geboten hat, in der viele Kunstinteressierte aus aller Welt aufeinander trafen und den Geist der dOCUMENTA belebten. Ein Ergebnis, auf das der Gründer der ersten Ausstellung Arnold Bode stolz gewesen wäre: Ein kulturelles Ereignis, das für 100 Tage die Welt bündelt, unter den für uns heute selbstverständlichen Prämissen der Toleranz, der Offenheit und des Respekts.

Christina Hooge

Die Zeit wird knapp – Tipps für einen dOCUMENTA (13)-Besuch für das letzte Wochenende

Nur noch zwei Tage, dann ist die dOCUMENTA (13) leider vorbei. Sie haben noch nicht alle Kunstwerke gesehen oder haben sich erst jetzt spontan entschieden, die größte Kunstausstellung der Welt zu besuchen? Bloß keine Hektik! Ich möchte Ihnen aus meiner eigenen Erfahrung vielleicht den einen oder anderen nützlichen Tipp geben, der Ihnen bei Ihrem Rundgang helfen könnte.

Blick auf das Fridericianum mit den berühmten „Joseph Beuys-Bäumen“ © Livia Blum

1. Früh aufstehen lohnt sich: Um 09.45 Uhr öffnet bereits die Ticket-Kasse zur dOCUMENTA (13). Wer rechtzeitig ansteht, kann sich sein Ticket als einer der Ersten ergattern.

2. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Die riesigen Schlangen vor dem Fridericianum und der documenta-Halle haben mich schon abgeschreckt. Deshalb beschloss ich, meinen Rundgang danach auszurichten, wo nicht so viel Andrang herrschte. Mein Tipp: Besuchen Sie vielleicht zuerst das Ottoneum, das Gebrüder Grimm Museum und die Neue Galerie, dort geht es meistens sehr zügig voran und es herrscht nicht so viel Besucheransturm.

3. Wenn Sie am Hauptbahnhof den Massen entgehen wollen, sollten Sie Ihre Besichtigung vielleicht im Südflügel beginnen und danach erst zum Nordflügel gehen. Dort müssen Sie nämlich wahrscheinlich etwas länger anstehen.

4. Ich habe gemerkt, dass an den Orten abseits der Hauptschauplätze meistens keine Warteschlangen entstehen: Das Grand City Hotel Hessenland, das Kaskade Kino, die Spohrstraße 7 oder die Handwerkskammer etc. sind meistens sehr schnell zugänglich.

5. Suchen Sie die Standorte, bei denen der Zugang auf eine bestimmte Besucheranzahl beschränkt ist, am besten erst gegen Abend auf. Gegen 18.30 Uhr herrschte vor der documenta-Halle und dem Friedericianum wenig Andrang und ich hatte kaum Wartezeit.

6. Wer dem finalen Trubel jedoch völlig entgehen möchte, dem würde ich raten, sich einen schönen Tag in der Karlsaue zu machen. Dort gibt es auch eine Menge toller Werke zu sehen und die Menschenmassen verteilen sich in dem riesigen Park.

7. Am besten: Hetzen Sie nicht von A nach B, nur, weil Sie vielleicht alles in Kürze noch sehen wollen. Interessieren Sie vielleicht einige Kunstwerke besonders? Ich habe mich letztes Wochenende zu Beginn meiner Tour wahnsinnig abgemüht, weil ich alles noch mal gerne sehen wollte. Da mir dies aber wenig Spaß machte, habe ich mich dann doch lieber auf ein paar Standorte beschränkt, die mir die letzten Monate am besten gefallen haben. Mir war die Muße, das jeweilige Kunstwerk erneut genauer anzusehen einfach mehr wert, als alles noch einmal zu betrachten. Aber das liegt ja an jedem Besucher selbst, wie er seinen Rundgang auf der dOCUMENTA (13) gestaltet. Die einen mögen die Hektik, die anderen brauchen Ruhe – Hauptsache Sie genießen die letzten Tage der Ausstellung.

Ich wünsche Ihnen noch zwei schöne, erlebnisreiche Kunsttage in Kassel!

(lb)

EU-Kommissionspräsident Barroso besucht die Documenta

Am letzen Documenta-Wochenende gab es noch einmal hohen Besuch bei der Kunstausstellung in Kassel: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stattet heute der weltweit größten Ausstellung für zeitgenössische Kunst einen Besuch ab.

Der Besuch Barrosos begann heute morgen bei einem Empfang der Stadt Kassel im Brüder-Grimm-Museum. Dort erzählte Barroso unter Anderem, dass er bereits die letzte Documenta vor fünf Jahren besucht habe. „Ich bin beeindruckt und mag dieses Konzept“. Aufgrund der Euro-Krise habe er es allerdings nicht früher geschafft, sich die Ausstellung anzusehen.

EU-Kommissionspräsident Barroso besucht die documenta

Kritische Stimmen

Bisher gab es eher weniger negative Kritik in den Medien über die diesjährige dOCUMENTA. Ganz zum Verblüffen von Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev. Sie habe sich vorab auf hitzige Diskussionen eingestellt, die bislang noch nicht eingetroffen sind. Jetzt haben sich zwei Frankfurterinnen über ein Ausstellungswerk des guatemaltekischen Künstlers Aníbal López beschwert, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Das Video, das in der Neuen Galerie zu finden ist, zeigt ein Interview des Künstlers mit einem Auftragsmörder. López lud den sogenannten sicario nach Kassel ein, um mit ihm über Politik und Bewaffnung in Zentralamerika zu sprechen. Seine Absicht liegt darin, die Menschen über die politische Problematik in Guatemala aufzuklären, indem man in die Psyche des Mörders schaut und somit seine Denkweise verinnerlicht.

Der Künstler nutzt die weltweit öffentliche Plattform der dOCUMENTA, um auf den Guerillakrieg hinzuweisen. Die bewaffnete Bewegung besteht aus einem kriminellen Kartell, das Kontakte zu Politikern, Drogenhändlern und anderen Verbrechern pflegt. Diese Miliz findet immer größeren Zuwachs aus Repressionsgründen.

López bietet den dOCUMENTA Besuchern die Möglichkeit, hinter die Fassade zu schauen und das Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Losgelöst von unserem politischem Verständnis von Recht und Unrecht. Sicherlich appellieren die zwei Frankfurterinnen an die Moral, die bei solch einem Konflikt zwischen Bürger und Diktatur verloren scheint. Andererseits spielen andere Faktoren in dieser Kultur eine große Rolle. Angst vor dem Gesetz und der Überlebenskampf auf den Straßen sind nicht unbekannte Phänomene, die durch Ausweglosigkeit hervorgerufen werden.

Durch López‘ provokative Kunst trifft in Kassel eine Welt auf unsere, die unser Verständnis von Moral und Recht in einen neuen Bezug bringt und somit die Relationen versetzt. Die Beschwerde der beiden Frauen ist der erste Schritt in Richtung Aufklärung der gesellschaftlichen Probleme im 21. Jahrhundert.

Weitere interessante Informationen zu diesem Thema sind in dem Artikel „Videofilm mit einem Mörder“ von Katharina Scholz zu finden!

(Quelle: Begleitbuch dOCUMENTA (13))

Christina Hooge