Wir sagen: Danke und auf Wiedersehen!

Liebe Leserinnen und Leser von dOCUMENTIERT.,

leider ist die dOCUMENTA (13) nun endgültig vorbei. Die meisten Kunstwerke sind bereits abgebaut, die KünstlerInnen wieder in ihre Heimat gereist und der Sommer hat sich nun auch verabschiedet.

Was von der größten Weltkunstausstellung in Kassel bleibt, sind Erinnerungen. – Erinnerungen an eine beeindruckende und aufregende Zeit, die uns auditiv und visuell geprägt und den Kontakt zu Menschen verschiedener Nationalitäten gefördert hat. Vier Monate befand sich die Stadt Kassel in einem Ausnahmezustand. Menschenmassen pilgerten nach Hessen, um Kunst zu sehen, es herrschte permanente Parkplatznot und es bildeten sich öfters lange Besucherschlangen vor den Gebäuden.

Das ist nun vorbei. Kassel scheint zurzeit fast ausgestorben, man muss sich an dieses Stadtbild erst wieder gewöhnen. Auch unser Projekt, die Arbeit in einer Online-Redaktion, neigt sich leider dem Ende zu. Wir haben ordentlich in die Tasten gehauen, fotografiert und neue Eindrücke sowie Erkenntnisse gesammelt und weitergegeben.

Wir von dOCUMENTIERT. möchten uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihr Interesse an unserem Blog, die tollen Kommentare, aber auch für Kritik und Hinweise, bedanken. Auch hoffen wir, dass wir Sie durch Ihre dOCUMENTA-Zeit ein wenig begleiten konnten.

Ihr dOCUMENTIERT.-Team

(lb)

© Matthias Ott

Auf der Laderampe hinterm Bahnhof – Eine Nacht in den Documenta-Locations Base 13 und Batterie

Weit abgeschlagen von der üblichen und übersichtlichen Clubszene Kassels öffnet seit Beginn der Documenta 13 allabendlich ein neuer bunter Partyzirkus seine Pforten, Base 13 und Batterie genannt. Schon der Weg dorthin vermittelt einen ersten Eindruck von der vorherrschenden Stimmung: Wenig beleuchtet, über Pflastersteine, hinter dem Hauptbahnhof entlang, die Güter- und Rampenstraße, die erst in diesem Jahr nach Joseph Beuys benannt wurde. Schon aus der Ferne hört man das “Wummern” von Bässen.

Im ehemaligen Zollamt befindet sich der Club mit dem nüchternen Namen „Batterie“. Er ist innen weiß gefliest, mit ebenfalls gefliesten Podesten links und rechts. Auf dem linken Podest tanzen einige glatzköpfige Männer, mit engen Muskelshirts -sehr expressiv- zu lauter Technomusik. Es ist heiß, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es riecht nach Schweiß und Alkohol. Auf dem rechten Podest tanzt eine Asiatin mit Brille, die wild ihre Arme in der Luft wirft und umher schwingt, neben ihr ein hagerer Mann mit schulterlangen, gewellten Haaren und Paillettenhemd. Das DJ-Pult befindet sich “vor Kopf”, ebenfalls auf einem Podest, auf das man nur über eine Treppe kommt. Der DJ im dunkelgrünen Hawaiihemd und lockigen, ins Gesicht hängenden Haaren, konzentriert sich abwechselnd auf seine Plattenteller und seine exzentrischen Tanzbewegungen. An der Decke hängen bunte Luftballons und Girlanden. Schon in den ersten Minuten regnen auf neue Besucher viele Sinneseindrücke ein.

Wer es nicht mehr aushält, schweißgebadet zwischen ebenfalls schwitzenden Menschen zu stehen, begibt sich zurück in den karg eingerichteten Vorraum des kleinen Clubs und versucht durch eine Durchreiche Kontakt zum Thekenpersonal aufzunehmen. Dies scheint jedoch leicht überfordert oder unterhält sich ausgiebig mit den Gästen, während andere in der Schlage warten. Die Auswahl der Getränke ist klein, für Documenta-Verhältnisse jedoch günstig. Schnaps gibt es in kleinen Plastikbechern, Wodka oder Tequila für 2 Euro.

Vor dem Club sitzen größtenteils junge Leute, wahrscheinlich Studenten und Künstler oder Kunstinteressierte, durchaus internationales Publikum, man könnte sie alle als Hipster bezeichnen.

Ein paar Schritte weiter Richtung Ende der Straße, erblickt man vor sich einen riesigen Schrotthaufen, ein Kunstwerk der Documenta von Lara Favaretto. Direkt daneben befindet sich die Base (13), eine überdachte Freiluftbar, die während der Zeit der Documenta am Ende einer alten Lagerhalle auf einer langen Rampe eröffnet wurde. Dort kann man sich entweder auf altem Schulmobiliar und Liegestühlen niederlassen oder auf sich auf der Tanzfläche, die einem unendlich lang erscheint, zu elektronischer Musik bewegen. Die Stimmung ist betont locker, das Publikum genauso, wie das bei der Batterie. Vermutlich bewegen sich die Gäste einfach den ganzen Abend und die ganze Nacht zwischen diesen zwei Orten hin und her, bis zum Sonnenaufgang und darüber hinaus.

Schon nach einer Nacht zwischen Batterie und Base fühlt man sich wie in einer anderen Stadt, “Berlin Calling” statt Kassel. Dazu ist das Publikum an diesem Ort viel zu bunt und gelassen. Man merkt, dass Kassel Potential hat, mit der Partyszene von Großstädten mitzuhalten, selbst wenn es nur für 100 Tage ist, der Laufdauer der Documenta 13.

Wochenend-Impressionen

Weitere Prominenz auf der dOCUMENTA (13) gesichtet! – Langhans, die Zweite

Nicht nur Weltstar Brad Pitt (* 1963), sondern auch Rainer Langhans (* 1940), deutscher Autor, Filmemacher und WG-Mitglied der ehemaligen Kommune I in den 70er Jahren, war ein gerngesehener Gast auf der größten Weltkunstausstellung.

Er ließ es sich nicht nehmen, das Kasseler dOCUMENTA (13)-Flair zu genießen. In der Nähe des Fridericianums wurde er gesichtet, wo er einige Stunden verweilt haben soll. In seinem typischen weißen Dress soll er in einem bequemen Strandstuhl das sonnige Wetter am Freitagnachmittag genossen haben. Diesen entspannten Anblick des überzeugten Veganers werden wohl noch einige Zuschauer aus der fünften Staffel der RTL-Show „Ich  bin ein Star – Holt mich hier raus!“ kennen, an der Langhans 2011 teilnahm.

Dora García

Jessica Miriam Zinn, Rainer Langhans, Joachim Scharloth
© Daniela Rieß

Laut Medienberichten ist Langhans von der in Barcelona lebenden Künstlerin Dora Garcías (* 1965) auf die größte Weltkunstausstellung eingeladen worden. Er hat an ihrer Show „Klau mich: Radicalism in Society Meets Experiment on TV“ im Ständehaus teilgenommen. dOCUMENTIERT war bei der „Klau Mich Show“  live dabei, ein ausführlicher Bericht dazu ist schon auf unserem Blog zu lesen.

(lb)

Schon am Hauptbahnhof gewesen?

Heute machten die Mitglieder von dOCUMENTIERT. ihre erste dTOUR – und zwar am Hauptbahnhof. Das Motto dort lautet: Bahnhöfe, Bewegungen, Bilder. Nachdem uns unser Guide am vereinbarten Treffpunkt abgeholt hatte, begann eine zweistündige Führung. Diese verlief jedoch anders als manche sie sich von uns vielleicht vorgestellt hätten, was wohl mit dem Konzept der diesjährigen dOCUMENTA (13) zusammenhängt. Der Guide ist in diesem Sinne nicht mehr derjenige, der uns die Bedeutungen der Werke lediglich erklärt und nahe bringt, sondern er möchte mit uns über die Werke sprechen und diskutieren. Die Kommunikation zwischen den Menschen rückt bei der größten Weltkunstausstellung also in den Vordergrund, der Monolog dagegen in den Hintergrund. Bei unserem Rundgang haben wir einige Eindrücke mitgenommen, aber sehen Sie einfach selbst!

(lb)

Fotos: © Livia Blum