Kleiner Hund ganz groß – „Dog Run“ von Brian Jungen

Nicht nur den Vierbeinern hat der kanadische Künstler mit seiner Installation „Dog Run“ eine riesen Freude bereitet. Vielleicht avanciert es zu einem der eindrucksvollsten Außenkunstwerke der dOCUMENTA (13). Beliebt ist es auf jeden Fall jetzt schon. Nur aufgepasst: Hunde haben Vorrang! Da hilft auch kein Presseticket, kein Eintritt oder Überreden. Rein geht’s nur in Begleitung eines Hundes. Deshalb blicken nicht wenige Zuschauer sehnsüchtig über den Abgrenzungszaun und schauen dem bunten Treiben auf dem Hunde-Parcour gern zu.

„Dog Run“ stellt damit einen der Erfahrungsräume für Besucher der dOCUMENTA (13) dar, in dem das Anliegen, die Beziehung zwischen Menschen und Tieren, aber auch Pflanzen, sichtbar und vor allem erfahrbar zu machen, ein Erlebnis wird. Ein Ort, der die Liebe und die Hingabe, so auch die Beschreibung im dOCUMENTA-Begleitbuch, zwischen Mensch und Tier, die Zuneigung, die Begegnung und das Verhältnis zu einander anregen und fördern möchte. Erfahrungen, die alltäglich sein könnten. Werden sie gelebt? Nehmen wir das, was wir täglich erleben weniger wahr, wenn es nebenher läuft? Kann Kunst es schaffen, etablierte Beziehungen zu stärken oder auch neu zu entfachen?

Eins ist auf jeden Fall klar: Den Hunden und auch deren Begleitern macht das Toben auf dem Hunde-Spielplatz ganz und gar in Kunst einen riesen Spaß! Platz da – hier komme ich!
Dachte sich auch die Pekinesendame „Goethe“ und hat innerhalb von zwei Tagen bereits mehrere Stationen absolvieren gelernt. Nicht alltäglich.

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Foto & Text: Daniela Rieß

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Die ersten Stimmen der Presse

Was wurde nicht alles schon emsig im Vorfeld berichtet, über das Unfertige, Konzeptlose, die vielen Maybes, über eine Pressemappe des Grauens (die weitreichendere Aufschlüsse über die Kuratorin, als über die Ausstellung zuließ), über eben jene Kuratorin, über mögliche Künstler, über emanzipierte Erdbeeren und Hunde, die sogar einen Kalender gewidmet bekamen. Schönes Ding.

Doch jetzt ist sie da, die dOCUMENTA (13) , seit Mittwoch der Presse zugänglich, seit Samstag vom Gauck’schen Lächeln auch offiziell eröffnet. Die ersten Eindrücke sind verdaut, Print -und Onlinemedien hauen in die Tasten und dOCUMENTIERT fast das Presse-Echo kurz zusammen.

Die Zeit beschreibt sie als ein „Wagnis, das gelingen kann“ und meint damit auch das spürbare Ziel „unser Denken zu verändern“ und uns zu einem „Akt der Einfühlung“ zu bewegen, wie dies z. B. die Fotografien von Lee Miller tun wollen: sie selbst in Hitlers Badewanne. Das „Verhältnis zwischen Mensch und Ding“ treibt die dOCUMENTA um, die alten Denkmuster, die Natur, die Grenzen und ihre Aufhebung. Und genau deshalb wird resümiert: „ein Unbehagen bleibt“.

Die FAZ unternimmt den Versuch zu erklären „warum die dreizehnte Documenta trotz vieler Einwände sehenswert ist“ und findet im Leitmotiv Collapse and Recovery eine breite Themenvielfalt sowie einen an vielen Stellen veränderten Künstlerbegriff vor. Der Künstler, der „erkunden“ und „untersuchen“ soll, zum „Ermittler“ wird. „Sie zu sehen lohnt sich wegen der Entschlossenheit, mit der hier der Kanon der klassischen Moderne umgeschrieben“ wird, befindet Niklas Maak.

Ganz so crazy geht’s nicht zu“, wie im Vorfeld vermutet, meint SPIEGEL online. Die zwei leeren Säale gleich am Eingang des Fridericianums bewirken, dass der Sinn des Sehens, „erstmal auf Entzug gesetzt“ wird, ungewöhnlich. Anschließend „geht es in der Rotunde“, dem brain, „ersteinmal ans Denken.“ Die Botschaft: „Change!“ Veränderung also, nur eben doch gesitteter als erwartet.

Es ist eine Documenta, deren stärkste Handschrift die der Kuratorin ist“, konstatiert die SZ. Auch auffällig, es grünt an allen Ecken und Enden, „weil viele Dutzend Künstler in die Karlsauen gezogen sind“. Afghanistan spielt eine große Rolle, sowohl thematisch, als auch „weil in Afghanistan in zwei Wochen eine zweite Documenta eröffnet wird“ (eine Art Außenstelle). Nach der von der Presse wenig positiv bewerteten vergangenen Documenta, scheint hier vieles richtig gemacht worden zu sein. „Es ist eine Expedition namens Kunst.“ Na dann.

Der Stern findet die dOCUMENTA „so unterhaltsam, so politisch und so aufregend wie noch nie“ und mag damit recht haben, „ihre Denkanstöße funktionieren“. Und können gleichzeitig herrlich unanstrengend sein, wie in der Aue: „Hier die Kunst zu suchen, ist ein Familienspaß“ Letztlich bleibt festzuhalten: „So schön war Kassel noch nie.“ Richtig!

Aspekte-Sondersendung zur dOCUMENTA (13)

Viel Natur, ein großer Schrotthaufen und Pauline,die Hündin: so leitete die Moderatorin Katty Salié die letzte Aspekte-Sondersendung am 08.06.12 zur dOCUMENTA (13) ein. Hierbei wird dem Zuschauer ein kleiner Rundumschlag über die Geschichte der Documenta in Kassel, die verschiedenen Künstler und die Bedeutung von Hunden für die Ausstellung geboten.

Die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Blick