And the winner is…

http://www.hna.de/documenta-13/koepfe/ganze-kleinsten-2505346.html

…Thomas Bayrle! Der Künstler wird dieses Jahr mit dem Arnold-Bode-Preis in Kassel geehrt. Somit reiht er sich mit Gerhard Richter und Rebecca Horn in die Liste der Preisträger ein. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird als Anerkennung herausragender Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Bayrle stellte bei der dOCUMENTA (13) die Installation mit dem collagierten Flugzeug und den betenden Automotoren in der dOCUMENTA Halle aus.

(ch)

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12 Ballads for the Huguenot House

Eines der beliebtesten Ausstellungsorte der Documenta 13, war das Hugenottenhaus. Der Künstler Theaster Gates aus Chicago hat aus dem ehemaligen Hotel ein begehbares Kunstwerk gemacht, dass äußerst viel Anklang bei den Documenta-Besuchern gefunden hat.

Ursprünglich wurde dem Künstler von der Documenta-Leitung vorgeschlagen, aus Materialien des leerstehenden Hugenottenhauses Skulpturen anzufertigen, ganz im Sinne von „Zusammenbruch und Wiederaufbau“. Stattdessen entschied sich Theaster Gates jedoch, das historische Haus zu renovieren,mit Materialien aus Abbruchhäusern aus Chicago. Dabei wurde Gates unterstützt von einem Team aus Auszubildenden und Arbeitern aus Chicago und Kassel, die teilweise sogar im Hugenottenhaus übernachteten, natürlich in Betten, die sie zuvor selbst aus den recycelten Materialien gebaut hatten.

Neben der Beobachtung der Entwicklung der Bauarbeiten im Hugenottenhaus, konnten die Besucher der Documenta auch viele unterschiedliche Künstler erleben, denen dort eine Plattform gegeben wurde, um ihre Arbeit vorzustellen, unter Anderem auch die Band „The Black Monks of Mississippi“ der Theaster Gates selbst angehört.

Allerdings sollte das Gebäude nicht nur äußerlich renoviert werden, sondern das Hauptziel war es, so viel öffentliches und kulturelles Interesse auf das Hugenottenhaus zu ziehen, dass es nach Ende der Documenta weiterhin  als Begegnungsstätte genutzt wird und sich als „Ort für verschiedene performative und soziale Veranstaltungen “ etabliert. Schon während der Documenta bot das Hugenottenhaus stets vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen die Möglichkeit, aufeinander zu treffen, sich kennen zu lernen, zusammen zu essen und kreativ zu sein.

Es bleibt abschließend zu hoffen, dass Theaster Gates Vorstellung von der weiteren Nutzung des Hugenottenhauses in Erfüllung geht und das bisher erzielte Ergebnis bestehen bleibt oder sogar noch weiter entwickelt wird.

ZDF mediathek: Mit Theaster Gates im Hugenottenhaus

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Das Ende ist in Sicht…

In wenigen Tagen geht die größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst zu Ende. Bereits jetzt befassen sich viele Medien mit der Zeit danach oder bieten einen kleinen Rückblick auf die Highlights der 13. Documenta in Kassel. dOCUMENTIERT hat hier eine Auswahl der aktuellsten Artikel zusammengestellt.

Die Welt online: Auf Streit folgt Lob und wieder Streit – Ein Rückblick auf die positiven und negativen Stimmen zur Documenta 13 und dem Geschehen drumherum

Der Westen online: Warum sich ein Besuch der Documenta 13 auch auf den letzten Drücker noch lohnt – Thomas Richter zeigt, wie man in möglichst wenig Zeit noch möglichst viel von der Documenta erleben kann

Süddeutsche online: Ende der Documenta 13 – Und dazu Urmusik aus der Geierhöhle – Die Highlights der Documenta 13

Focus online: documenta-Hund soll wieder normales Leben führen – Was passiert mit den zwei Hunden des Kunstwerks von Pierre Huyghe?

Es plätschert und raschelt – „Untitled (Wave)“ von Massimo Bartolini

Bartolini (* 1962) bringt mit seinem minimalistischen Werk Technik und Natur in Einklang. Es bleibt die Frage: Was bedeutet es?

Ein im Boden versenktes, rechteckiges Plastikbecken gefüllt mit trübem Wasser, ein elektrischer Motor, der das Wasser in Bewegung bringt und Gerste, die das Becken umhüllt. Es fällt auf: Der Italiener, der in Cecina geboren ist und noch heute dort lebt, verbindet in der Kasseler Karlsaue künstliche mit natürlichen Materialien. Der Besucher betrachtet eine Welle, die sich gleichmäßig bewegt und vom einen zum anderen Ende wandert, aber nie über den Beckenrand schwappt. Die Installation wirkt besonders beeindruckend, wenn der Wind den Wellengang unterstützt und die Gerste am Rand raschelt und sich hin und her bewegt.

© Livia Blum

Es ist entspannend, dem regelmäßigen Lauf des Wassers zuzusehen. Aber es stellt sich auch die Frage: Was ist der Sinn dieser außergewöhnlichen Arbeit? Liest man über die „Untitled (Wave)“ nach, so haben wir das Werk richtig beobachtet und die Deutung liegt sehr nah. Der Künstler möchte mit seiner Installation den „endlosen Kreislauf des Lebens“ (Begleitbuch, S. 240) darstellen. Deshalb läuft die Welle also niemals aus und schwappt auch nicht über den Beckenrand. Sie bewegt sich immer gleichmäßig, weil sie endlos ist. Massimo Bartolini gibt den Besuchern somit Denkanstöße, sich mit den philosophischen Themenfeldern der Ewigkeit und Dauerhaftigkeit auseinanderzusetzen.

(lb)

Performance und Kunstwerk von Issa Samb

Ein Kunstwerk wirkt wie ein Paradiesvogel im verwirrenden dOCUMENTA (13)-Dschungel: Bunt, außergewöhnlich und vielfältig – das Werk regt zum Denken an.

Es ertönt eine männliche Stimme in der Karlsaue. Sie wird lauter, dann leiser, die Sprache wird schneller, bis sie für einige Minuten komplett verstummt. Neugierde führt mich zu dem Werk mit der Ausstellungsnummer 157. Ich bahne mir einen Weg durch die Menschenmenge, die sich um eine kunterbunte Baum-Installation versammelt hat und fasziniert das Treiben beobachtet. Was passiert da? Wer spricht? Ich sehe einen dunkelhäutigen Mann, der einen farbenreichen Mantel trägt und wild agiert.

Allroundkünstler Issa Samb in Aktion
© Livia Blum

Ein Mann mit vielen Gesichtern

Wie ich bemerke, bin ich am 08.06.2012, in der Eröffnungswoche der dOCUMENTA (13),  mitten in eine spontane Performance des senegalischen Künstlers Issa Samb (* 1945) geplatzt. Der Maler, Bildhauer, Schauspieler, Philosoph, Performancekünstler, Schriftsteller und Kritiker zeigt während seiner Performance wechselnde Gefühlszustände. Mal lächelt er freundlich, verweilt ruhig vor seiner Installation, verschränkt die Hände hinter dem Rücken und spricht gediegen. Plötzlich verstummt seine Stimme. Er bewegt sich nicht, er schaut das Publikum nur auffordernd an. Stille. Im nächsten Moment gestikuliert er euphorisch, seine Stimme wird lärmend und herrischer – laut und geräuschvoll. Sein Gesicht verzieht sich angespannt.

Issa Samb vor seiner Installation „La balance déséquilibrée (Out of balance)“
© Livia Blum

Die Gedanken fahren Karussell

Schaut man in die Runde, so erkennt man in den fragenden Gesichtern vieler Zuschauer, dass sie seine Handlungen nicht einordnen können – so wie sich seine Installation jeder Einordnung zu entziehen scheint. Verwirrung. Aber dies scheint die Menschenmassen förmlich anzuziehen. Er zieht die Menschen in seinen Bann, auch wenn die meisten wohl nicht verstehen, was er sagt. Er spricht in französischer Sprache. Als ich ihn fotografiere, schaut er mich verwirrt an, was ich nicht verstehe.

Ein Gegner der Technologie? Kaum vorstellbar…

Erst, nachdem ich mich ausführlich über ihn informierte, wurde mir klar: Der extrovertierte Mann hat eine Abneigung gegen sämtliche Technologie. Der Gesamtkünstler, der Gedichte, Essays und Romane schreibt, hat sich mit dem Gebiet der Fotografie noch nie beschäftigt. Er verwendet auch keine modernen, technischen Geräte – außer einem Radio – weil diese seiner Meinung nach die zwischenmenschliche Beziehung zerstören würden. Außerdem möchte er nicht ständig auf der Suche nach Anerkennung oder der Anhäufung von Reichtümern sein. Um sich aber an sein Werk „La balance déséquilibrée (Out of balance)“, dt. „Die unausgeglichene Waage (Aus dem Gleichgewicht)“, annähern zu können, sollte man sich zunächst mit dem Menschen Issa Samb beschäftigen. Welche Weltauffassung hat er? Was hat ihn geprägt?

Samb, der Kritiker

Issa Samb studierte in den 60iger Jahren in Dakar, der Hauptstadt Senegals, Kunst und Philosophie. 1974 gründete er mit verschiedenen Künstlern das Laboratoire Agit-Art. Es handelte sich um eine Künstlergruppe, die sich mit zeitgenössischer afrikanischer Kunst beschäftigte. Sie stellte eine Gegenbewegung zu der Kulturpolitik des senegalischen Dichters und Präsidenten Léopold Sédar Senghor (1906-2001) dar, unter dem Kunst und Politik staatlich geleitet waren. Diese Schranken durchbrach die Künstlergruppe mit Installationen und Performances. Kunst sollte von nun an kreativ, sozial, ästhetisch und politisch sein. Sie riefen afrikanische Bürger zur aktiven Mitarbeit auf. Die meisten Mitglieder der Gruppe sind mittlerweile verstorben. Mit Issa Samb wird der Geist der Gruppe jedoch nach Kassel getragen. Wer zu ihm mehr erfahren möchte, dem ist „Das Begleitbuch“ sowie „Das Buch der Bücher“ sehr zu empfehlen.

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Menschlichkeit und Toleranz als höchste Tugenden

Alte Bücher, Kreuze, eine Feuerstelle, eine Skulptur, bunte Stoffe und Püppchen am Baum hängend – was bedeutet das? Samb, ein Vertreter des Humanismus, möchte mit seiner Installation für Toleranz appellieren. Er selbst bezeichnet die „kulturelle und religiöse Intoleranz“ als eine „Krankheit unserer Zeit“, die geheilt werden müsse. Dies versucht er u.a. durch das riesige, weiße Kreuz zu erreichen, das an einem Baum lehnt. Er teilt ihm die Aufgabe eines Vermittlers zu: Durch das eingewickelte Kreuz sollen wir Menschen unsere Menschlichkeit und Weisheit wieder finden. Auch sollen wir lernen, Menschen, die anders als wir selbst sind – sei es deren Religion oder Lebensauffassung – zu akzeptieren. Viele weitere Kreuze überbringen diese Botschaft. Schaffen wir es nicht, das Anderssein unserer Mitmenschen zu akzeptieren, so gäbe es Kriege.

An dieser Stelle wird Sambs Weltanschauung deutlich, der nach Disziplinen wie Gewaltfreiheit, Gewissensfreiheit und Toleranz lebt und dem Charaktereigenschaften wie Freundlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft besonders wichtig sind. Es ist anzunehmen, dass Issa Samb mit der Feuerstelle, den alten Büchern und den Püppchen eine Verbindung zwischen der afrikanischen Tradition und den Menschen im 21. Jahrhundert schaffen möchte.

(lb)

Top oder Flop: Was gefällt dir besser – und vor allem, warum?

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Die zwei Befragten, Vanessa R. (Studentin aus Göttingen) und Sebastian K. (Student aus Kassel), wussten während der Befragung jedoch ganz genau, was ihnen rund um die dOCUMENTA (13) gefällt und was ihnen weniger zusagt. Vielleicht gibt Ihnen dieser Fragebogen einen Anreiz, selbst zu überlegen, was ihre Kunstvorlieben sind?!

Livia: Hallo Vanessa, schön, dass du dir für ein paar kurze „entweder-oder“-Fragen zur dOCUMENTA (13) Zeit nimmst. Ich würde sagen: Los geht`s!

Livia: Teilnahme an einer d-tour oder Selbsterkundung? Vanessa: Selbsterkundung. Da kann ich mir das ansehen, was ich will und wann ich es will.

Vanessa R.
© Livia Blum

Livia: Kunst im Museum oder im Freien? Vanessa: Das ist mir nicht so wichtig. Ich finde, Kunst sollte da ausgestellt werden, wo sie am besten wirkt oder es am wenigsten schädlich für sie ist.

Livia: Fotos als Erinnerung machen oder im Gedächtnis speichern? Vanessa: Eine Mischung aus beidem. Fotos aber auf jeden Fall machen, da man ja nun wirklich nicht alles im Kopf behalten kann, was man gerne möchte. Außerdem können sie ja auch als Erinnerungsstütze dienen.

Livia: Tageskarte oder Abendkarte? Vanessa: Als Studentin habe ich gegen Abend einfach mehr Zeit und deswegen würde ich mich da für eine Abendkarte entscheiden.

Livia: Malerei oder Fotografie? Vanessa: Ich finde beides interessant. Es kommt auf das Motiv und den Aufbau an und natürlich auch, wie das Bild letztendlich gestaltet worden ist.

Livia: Performance oder Film/Video? Vanessa: Eine Live Performance schlägt so schnell nichts. Selbst dabei sein ist einfach toll. Allerdings gibt es bei Film und Video die Möglichkeit, dass mit Special Effects aller Art gearbeitet wird. Und je nachdem, was der Künstler erreichen will, kann das genau so interessant und spannend sein. Ich lasse mich also gern auf beides ein.

Livia: Alle Standorte auf der dOCUMENTA (13)-„To-do“-Liste abhaken oder einzelne Objekte genauer betrachten? Vanessa: Ich möchte so viel wie möglich sehen. Das, was einem am besten gefallen hat, sollte man aber länger und vielleicht auch mehrmals betrachten.

Livia: Hetze oder Muße beim documenta-Besuch? Vanessa: Muße. Durchhetzen ist einfach nur stressig und da kann man ja gar nicht genießen.

Livia: Schauplätze alleine erkunden oder mit Freunden/in einer Gruppe? Vanessa: Mit Freunden. Leute, mit denen man über die Werke reden kann, machen alles gleich doppelt so interessant.

Livia: Werke betrachten oder vom Künstler eingebunden werden? Vanessa: Ich betrachte Werke am liebsten einfach nur oder spreche darüber. Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich eingebunden wäre.

Livia: Werk selbst deuten oder Intention des Künstlers lesen? Vanessa: Zuerst das Werk selbst deuten und hinterher die Intention des Künstlers lesen. Das finde ich am spannendsten.

Livia: Begleitende Bücher zur documenta kaufen oder Zeitungsartikel lesen/sammeln? Vanessa: Leider bin ich immer recht knapp bei Kasse und deswegen sind Zeitungsartikel einfach die praktischere Variante.

Livia: documenta-Fanartikel kaufen oder Geld sparen? Vanessa: Leider Geld sparen.

 

Livia: Super, dass du gerade einen Moment Zeit hast. Dann lass uns mit dem Fragebogen starten, okay?

Livia: Kunst im Museum oder im Freien? Sebastian: Lieber Museum. Die Kunst im Freien der dOCUMENTA (13) sagt mir irgendwie nicht so zu, die Werke in der documenta-Halle und am Hauptbahnhof fand ich hingehen ziemlich interessant.

Sebastian K.
© Livia Blum

Livia: Teilnahme an einer d-tour oder Selbsterkundung? Sebastian: Selbsterkundung, weil ich mir lieber meine eigenen Gedanken mache.

Livia: Tageskarte oder Abendkarte? Sebastian: Abendkarte, weil ich von der Arbeit aus leider überhaupt nicht die Zeit hätte, den ganzen Tag auf der DOCUMENTA (13) zu verbringen.

Livia: Malerei oder Fotografie? Sebastian: Eher Malerei. Ich kann gar nicht genau sagen, warum mir das besser gefällt. Als ich aber zum Beispiel das Werk „Limited Art Projekt“ von Yan Lei in der documenta-Halle gesehen habe, war ich richtig beeindruckt. Er scheint sein Handwerk zu beherrschen. Dass er seine Bilder in Abständen überlackiert, finde ich wiederum schade.

Livia: Performance oder Film/Video? Sebastian: Auf jeden Fall Film/Video. Also ich bin ein großer Fan von Film und Video, gerade die Umsetzung vieler Künstler ist sehr gelungen. Das Gesamtwerk von William Kentridge „The Refusal of time“ am Hauptbahnhof fand ich bombastisch. Die laute Musik, die einen von allen Seiten beschallte, hat den laufenden Film eindrucksvoll verstärkt.

Livia: Hetze oder Muße beim documenta-Besuch? Sebastian: Hetze, weil ich möglichst viel in kurzer Zeit sehen möchte, um viele Eindrücke mit nach Hause nehmen zu können.

Livia: Schauplätze alleine erkunden oder mit Freunden/in einer Gruppe? Sebastian: Mit Freunden. Alleine macht es doch keinen Spaß und man kann sich ja auch nicht austauschen.

Livia: Werke nur betrachten oder vom Künstler selbst eingebunden werden? Sebastian: Werke nur betrachten, denn man weiß ja nie, auf welche schrägen Ideen der Künstler kommt, wenn er anwesend ist. Das wäre mir zu heikel, wobei es wiederum nicht alltäglich ist, einen Künstler live in Aktion zu sehen.

(lb)

Die Geschichte vom Maulwurf Buddel und dem „Do nothing garden“

Buddel war ein kleiner, zweijähriger Maulwurf, der mit seiner Familie in der Karlsaue lebte. Dort war es immer recht ruhig und es gab genug schöne Stellen, um Hügel zu stoßen. Wie schon seine Vorfahren, war er ein großer Meister seines Faches. Einst lernte ihm sein Vater, der Schaufel hieß, wie man schöne, nahezu perfekte Maulwurfshügel stößt. Sein Sohn lernte schnell und war weit und breit in Kassel der begabteste, junge Maulwurf. Keiner kam an seine Fähigkeiten heran. Nachdem Buddels Vater älter geworden war und sich zur Ruhe gesetzt hatte, war es nun seine Aufgabe, den guten Familiennamen standesgemäß weiterzuführen. Das tat er auch. Täglich kreierte er mit seinen Grabekrallen neue wohlgeformte Hügel – mal größere, mal kleinere. Jedoch hatte er immer die Worte seines Vaters im Ohr, der ihm einmal sagte: „Mein lieber Buddel, gib dir jeden Tag Mühe und mach unserer Familie keine Schande!“ Dies hatte er seiner Familie nie bereitet.

Buddels Meisterwerke in der Karlsaue
© Livia Blum

„Ich bin der beste Hügeldesigner der Welt“, prahlte Buddel

Der kleine Maulwurf hatte immer ein gutes Gewissen und war mit seiner Arbeit stets zufrieden. Neidvolle Blicke musste er täglich einstecken, welche ihn nur noch stolzer werden ließen. Ihn ärgerte nur sehr, dass die Menschen seine Arbeit anscheinend nicht zu schätzen wussten. Einmal hörte er ein Mädchen sagen: „Schau doch mal, diese blöden Maulwürfe ruinieren den ganzen schönen Rasen in unserer Aue. Genau da, wo ich sonntags immer so gern liege und entspanne.“ Dann kam das rothaarige Mädchen, dessen Gesicht mit Sommersprossen übersät war, auf Buddels Hügel zu und trat diesen mit ihrem stämmigen Bein fest in den Boden. Buddel war traurig, aber dachte: „Sie hat keine Ahnung von dem, was gut ist. Sie weiß nicht, wie man die großen Grünflächen hier in der Aue verschönert.“

An einem Tag geriet sein Weltbild schlagartig ins Wanken. Sein größter Konkurrent Wühler rief ihm hämisch zu: „Buddel, du kannst gar nichts! Schau dir mal auf der großen Rasenfläche vor der Orangerie den großen Maulwurfshügel an, da kommen selbst deine Hügelchen nicht gegen an! Das ist ein Riesenhügel! Dieser Maulwurf kann Hügel designen!“ Buddel ignorierte ihn und tat so, als ob er ihn überhaupt nicht gehört hatte. Trotzdem interessierte ihn das natürlich sehr, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass auch nur ein Maulwurf auf der gesamten Welt schönere Hügel formte als er. Er selbst hatte schließlich erst vor ein paar Wochen den „Hügel-Wettbewerb 2012“ gewonnen.

„Wer soll denn einen perfekteren Hügel graben als ich?“, fragte sich Buddel

Von Neugierde gepackt, machte er sich schnell auf den Weg. Er grub sich mit seinen Grabekrallen hastig einen unterirdischen Gang in die Erde. Als er aus dem Erdreich emporkam und einen neuen Erdhaufen aufgeworfen hatte, traf ihn fast der Schlag. Er betrachtete das monumentale Gebilde zunächst aus der Ferne. Trotzdem wusste er nicht, wo er zuerst hinsehen sollte. „Das ist ja ein riesiger Maulwurfshügel, der ist einige Meter hoch. Wie geht denn das? Wer hat ihn bloß gegraben?“, fragte er sich.

„Do nothing garden“ von Song Dong
© Livia Blum

„Der Künstler Song Dong ist ein wahrer Künstler und nicht ich“, bemerkte der kleine
Maulwurf traurig

Ein paar Minuten später nahm er seinen ganzen Mut zusammen und pirschte sich näher an den Riesenhügel heran. Er sah, wie ein Mann den Erdhügel wässerte. Menschen standen vor dem großen Hügel und unterhielten sich angeregt. Buddel war so in Gedanken, dass er ihren Worten nicht folgen konnte.

Der „Do nothing garden“ aus der Nähe
© Livia Blum

„Das ist doch gemein. Meine Hügel werden, obwohl sie immer so gelungen sind, von den Menschen platt getreten. Und der Berg hier wird gewässert und ist sogar eingezäunt, um ihn zu schützen. Auf meinem wunderschönen Maulwurfshügel konnte nie ein Blümchen wachsen. Immer kamen Männer und haben meine Hügelchen mit der Schippe platt gehauen. Ach, der Hügel hier ist viel perfekter als meiner. Er hat eine stattliche Größe. Ich könnte gerade weinen. Ich kann wirklich nichts, gar nichts“, gestand sich Buddel traurig ein. Und er begann sich für sein Nicht-Können zu schämen. Erst jetzt bemerkte er, dass der Hügel eigentlich aus drei verschiedenen Erhöhungen bestand, was ihn nur noch mehr deprimierte. „Hier war wirklich ein Meister am Werk“, dachte Buddel.

Er wollte gerade beschämt und traurig seinen Heimweg antreten, als er einer älteren Dame mit schriller Stimme lauschte. „Dieser Hügel soll wohl auch zur dOCUMENTA (13) gehören, was? Das soll ein weiteres Kunstwerk sein, richtig?“, fragte sie ihren ergrauten Begleiter. Der edel angezogene, alte Herr antwortete: „Ja, meine Liebe, ich habe vor ein paar Tagen in der Zeitung gelesen, dass dieser monumentale Hügel `Do nothing garden´ heißen soll. Ein chinesischer Künstler mit dem Namen Song Dong soll ihn geschaffen haben.“ „Aha, so ist das also! Den Hügel hat ein Mensch geschaffen und kein Maulwurf“, freute sich Buddel. Er war zwar erleichtert, aber dennoch frustriert, dass jemand einen schöneren Hügel gebaut hatte als er. Ihn interessierte es aber wahnsinnig, wie der Künstler das gemacht hatte.

Der alte Mann erklärte das Kunstwerk `Do nothing garden´

Ohne es wohl zu wissen, beantwortete der Mann Buddels Fragen. „Man hat über Wochen hinweg verschiedene Materialien wie Kies, Holz und natürlich Erde aufgeschichtet, sodass der Berg höher und höher wurde. Schau mal, da drüben wachsen schon Blumen. Der Hügel wurde ja auch bepflanzt. In ein paar Wochen werden hier die ganzen Pflanzen wuchern. Ich finde das Ergebnis aber jetzt schon beachtlich.“ Die alte Frau verzog ihr Gesicht, als ob sie nicht seiner Meinung war. Der kleine Maulwurf lauschte noch immer dem Gespräch und scharrte nervös mit seinen Grabekrallen in der aufgelockerten Erde. Er war gespannt, was sie entgegnen würde. „Ich kann mich dafür nicht so begeistern wie du, Friedrich. Da bin ich ganz ehrlich. Also wenn ich in meinen Garten schaue, sieht das da so ähnlich aus. Dort habe ich überall Maulwurfshügel, über die ich mich jeden Tag ärgere. Und Unkraut habe ich da auch genug. Ist das dann auch Kunst, ist das auch ein Kunstwerk?“ Ein wenig zögernd erwiderte der Alte, dass sie keine Ahnung von zeitgenössischer Kunst habe. „Ich als Kunstkenner kann das schließlich besser beurteilen als du. Elfriede, du bist ein richtiger Kulturbanause, du hast ja keine Ahnung“, fauchte er.

Kunst ist das, was jedem Einzelnen gefällt

Buddel musste verschmitzt lachen. Da sah er, dass die ältere Dame mit dem hellblauen Anorak energisch mit den Mundwinkeln zuckte. „Sie will was sagen, sie will was sagen“, rief er euphorisch. „Sie hat Ahnung von dem, was schön ist“, jubelte der Maulwurf.

Tierische Kunst
© Livia Blum

„Sei doch nicht so böse, Friedrich. Jeder hat doch seine eigene Meinung, oder nicht? Ich schaue mir lieber im Museum ein Bild an, beispielsweise von meinem Lieblingsmaler Caspar David Friedrich. Ach, wenn ich mir seinen „Wanderer über dem Nebelmeer“ ansehe, komme ich doch immer wieder ins Staunen“. „Elfriede…“, stammelte der Mann. „Ach Friedrich, sei ruhig. Du musst lernen, aufgeschlossener gegenüber anderen Menschen zu werden. Du kannst nicht jedem deine Meinung über Kunst aufzwingen. Kunst nimmt jeder anders wahr. Die einen mögen das, die anderen das. Es ist doch egal, was einem gefällt, wichtig ist, dass den Menschen überhaupt etwas gefällt und sie darin einen Sinn erkennen können. Für mich ist der Hügel nur ein Berg aus Erde, Kies, Holz mit Unkraut darauf. Und ich sage dir ganz ehrlich: Jeder Maulwurf kann das mindestens genauso gut! Und der braucht dafür noch nicht mal Hilfe“ Schau hinter dich, Friedrich, da ist ein wunderschön gegrabener Maulwurfshaufen. Also sozusagen eine Miniatur-Ausgabe von deinem bewunderten`Do nothing garden´. Ist das auch Kunst? Diese kleinen Tiere sollte man nicht immer verfluchen und ihre Werke nicht mehr zerstören!“, beschwörte die alte Dame. „Richtig“, rief Buddel, „endlich mal jemand, der wahre Kunst erkennt. Ich sage es doch: Ich bin sowieso der Allerbeste!“

(lb)

TV-Tipp: „ttt-extra“ zur dOCUMENTA (13)

Am Sonntag, 10.06.2012, strahlt die ARD um 23.oo Uhr eine Sendung zur Weltkunstausstellung aus.

Der „titel, thesen, temperamente“ (ttt)-Moderator Dieter Moor möchte am kommenden Sonntagabend in seiner 45-minütigen Extrasendung „Ist das Kunst oder was?“ der Frage nachgehen, wie politisch die dOCUMENTA (13) dieses Jahr werden wird. Dazu hat er sich Künstler wie Anna Boghigui-an, Claire Pentecost und Jimmie Durham eingeladen, um mit ihnen über die Weltkunstausstellung zu diskutieren. Außerdem ergründet Moor den Kasseler Kunst-Dschungel und führt die Zuschauer durch die dOCUMENTA-Stadt.

ttt-extra: dOCUMENTA

(lb)

Aspekte-Sondersendung zur dOCUMENTA (13)

Viel Natur, ein großer Schrotthaufen und Pauline,die Hündin: so leitete die Moderatorin Katty Salié die letzte Aspekte-Sondersendung am 08.06.12 zur dOCUMENTA (13) ein. Hierbei wird dem Zuschauer ein kleiner Rundumschlag über die Geschichte der Documenta in Kassel, die verschiedenen Künstler und die Bedeutung von Hunden für die Ausstellung geboten.

Die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Blick

Jonathan Meese und die dOCUMENTA

Jonathan Meese ist in der gegenwärtigen Kunstszene eine bekannte Persönlichkeit. Da könnte man meinen, dass er ein Freund oder vielleicht sogar ein möglicher Künstler der dOCUMENTA wäre. Dass dies nicht so ist, hat er gestern in Kassel auf seine ganz eigene Art und Weise gezeigt.

Die Documenta? Dünnpfiff!