12 Ballads for the Huguenot House

Eines der beliebtesten Ausstellungsorte der Documenta 13, war das Hugenottenhaus. Der Künstler Theaster Gates aus Chicago hat aus dem ehemaligen Hotel ein begehbares Kunstwerk gemacht, dass äußerst viel Anklang bei den Documenta-Besuchern gefunden hat.

Ursprünglich wurde dem Künstler von der Documenta-Leitung vorgeschlagen, aus Materialien des leerstehenden Hugenottenhauses Skulpturen anzufertigen, ganz im Sinne von „Zusammenbruch und Wiederaufbau“. Stattdessen entschied sich Theaster Gates jedoch, das historische Haus zu renovieren,mit Materialien aus Abbruchhäusern aus Chicago. Dabei wurde Gates unterstützt von einem Team aus Auszubildenden und Arbeitern aus Chicago und Kassel, die teilweise sogar im Hugenottenhaus übernachteten, natürlich in Betten, die sie zuvor selbst aus den recycelten Materialien gebaut hatten.

Neben der Beobachtung der Entwicklung der Bauarbeiten im Hugenottenhaus, konnten die Besucher der Documenta auch viele unterschiedliche Künstler erleben, denen dort eine Plattform gegeben wurde, um ihre Arbeit vorzustellen, unter Anderem auch die Band „The Black Monks of Mississippi“ der Theaster Gates selbst angehört.

Allerdings sollte das Gebäude nicht nur äußerlich renoviert werden, sondern das Hauptziel war es, so viel öffentliches und kulturelles Interesse auf das Hugenottenhaus zu ziehen, dass es nach Ende der Documenta weiterhin  als Begegnungsstätte genutzt wird und sich als „Ort für verschiedene performative und soziale Veranstaltungen “ etabliert. Schon während der Documenta bot das Hugenottenhaus stets vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen die Möglichkeit, aufeinander zu treffen, sich kennen zu lernen, zusammen zu essen und kreativ zu sein.

Es bleibt abschließend zu hoffen, dass Theaster Gates Vorstellung von der weiteren Nutzung des Hugenottenhauses in Erfüllung geht und das bisher erzielte Ergebnis bestehen bleibt oder sogar noch weiter entwickelt wird.

ZDF mediathek: Mit Theaster Gates im Hugenottenhaus

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Die Zeit wird knapp – Tipps für einen dOCUMENTA (13)-Besuch für das letzte Wochenende

Nur noch zwei Tage, dann ist die dOCUMENTA (13) leider vorbei. Sie haben noch nicht alle Kunstwerke gesehen oder haben sich erst jetzt spontan entschieden, die größte Kunstausstellung der Welt zu besuchen? Bloß keine Hektik! Ich möchte Ihnen aus meiner eigenen Erfahrung vielleicht den einen oder anderen nützlichen Tipp geben, der Ihnen bei Ihrem Rundgang helfen könnte.

Blick auf das Fridericianum mit den berühmten „Joseph Beuys-Bäumen“ © Livia Blum

1. Früh aufstehen lohnt sich: Um 09.45 Uhr öffnet bereits die Ticket-Kasse zur dOCUMENTA (13). Wer rechtzeitig ansteht, kann sich sein Ticket als einer der Ersten ergattern.

2. Ich muss ganz ehrlich gestehen: Die riesigen Schlangen vor dem Fridericianum und der documenta-Halle haben mich schon abgeschreckt. Deshalb beschloss ich, meinen Rundgang danach auszurichten, wo nicht so viel Andrang herrschte. Mein Tipp: Besuchen Sie vielleicht zuerst das Ottoneum, das Gebrüder Grimm Museum und die Neue Galerie, dort geht es meistens sehr zügig voran und es herrscht nicht so viel Besucheransturm.

3. Wenn Sie am Hauptbahnhof den Massen entgehen wollen, sollten Sie Ihre Besichtigung vielleicht im Südflügel beginnen und danach erst zum Nordflügel gehen. Dort müssen Sie nämlich wahrscheinlich etwas länger anstehen.

4. Ich habe gemerkt, dass an den Orten abseits der Hauptschauplätze meistens keine Warteschlangen entstehen: Das Grand City Hotel Hessenland, das Kaskade Kino, die Spohrstraße 7 oder die Handwerkskammer etc. sind meistens sehr schnell zugänglich.

5. Suchen Sie die Standorte, bei denen der Zugang auf eine bestimmte Besucheranzahl beschränkt ist, am besten erst gegen Abend auf. Gegen 18.30 Uhr herrschte vor der documenta-Halle und dem Friedericianum wenig Andrang und ich hatte kaum Wartezeit.

6. Wer dem finalen Trubel jedoch völlig entgehen möchte, dem würde ich raten, sich einen schönen Tag in der Karlsaue zu machen. Dort gibt es auch eine Menge toller Werke zu sehen und die Menschenmassen verteilen sich in dem riesigen Park.

7. Am besten: Hetzen Sie nicht von A nach B, nur, weil Sie vielleicht alles in Kürze noch sehen wollen. Interessieren Sie vielleicht einige Kunstwerke besonders? Ich habe mich letztes Wochenende zu Beginn meiner Tour wahnsinnig abgemüht, weil ich alles noch mal gerne sehen wollte. Da mir dies aber wenig Spaß machte, habe ich mich dann doch lieber auf ein paar Standorte beschränkt, die mir die letzten Monate am besten gefallen haben. Mir war die Muße, das jeweilige Kunstwerk erneut genauer anzusehen einfach mehr wert, als alles noch einmal zu betrachten. Aber das liegt ja an jedem Besucher selbst, wie er seinen Rundgang auf der dOCUMENTA (13) gestaltet. Die einen mögen die Hektik, die anderen brauchen Ruhe – Hauptsache Sie genießen die letzten Tage der Ausstellung.

Ich wünsche Ihnen noch zwei schöne, erlebnisreiche Kunsttage in Kassel!

(lb)

Lange Besucherschlangen zum Ende der dOCUMENTA (13)

Kassel platzt zurzeit aus allen Nähten. Der Grund: Kunstbegeisterte aus aller Welt wollen die wenigen verbleibenden Tage noch nutzen, um dOCUMENTA (13)-Luft zu schnuppern und letzte Blicke auf die Kunstwerke zu erhaschen.

Es ist bald soweit, die größte Weltausstellung für zeitgenössische Kunst schließt in drei Tagen endgültig ihre Pforten. Das Ende der dOCUMENTA (13) wird an diesen letzten Tagen deutlich sichtbar: Überall, wohin das Auge auch blickt, sieht man zahlreiche Menschen anstehen und warten. Sie hoffen, dass die Schlangen rasch kürzer werden, denn viele beliebte Standorte sind auf Besucherzahlen beschränkt. Ob vor dem Fridericianum, der documenta-Halle – wie auf diesem Foto sichtbar – oder an verschiedenen Stationen am Hauptbahnhof, es bilden sich lange Schlangen von interessierten Besuchern. Dies verlangt den Kunstbegeisterten viel Geduld und Durchhaltevermögen ab.

Die Schlange zur documenta-Halle reicht schon bis zum Staatstheater
© Livia Blum

Wer beispielsweise letzten Samstag die Arbeit „The Refusal of Time“ des Künstlers William Kentridge (* 1955) genießen wollte, der musste teilweise gut zwei Stunden ausharren, da die Einlasszahl zu diesem Werk auf ca. 50-60 Personen begrenzt war. Gelohnt hat sich das Warten allemal, wenn es auch viel Kraft und Ausdauer gekostet hat.

Festhalten lässt sich auf jeden Fall: Dass die dOCUMENTA (13) die Menschen nach wie vor begeistert, dass das Interesse an den vielseitigen Kunstwerken anscheinend nicht abnimmt und dass bestimmt dem einen oder anderen Kunstliebhaber in den nächsten Wochen in Kassel etwas fehlen wird: Nämlich die Magie und Faszination, die die Weltkunstausstellung verbreitet hat und vielleicht auch der Austausch und ein netter Plausch mit Gleichgesinnten.

(lb)

Nachgefragt!

Wie kommt die dOCUMENTA (13) bei den Zuschauern an? Was gefällt, was nicht? dOCUMENTIERT. hat am 01.07.2012 die Lehramtsexaminantin Sandra T. aus Göttingen zu ihren Eindrücken befragt!

Livia: Sandra, danke, dass du dir Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten. Bist du heute das erste Mal auf der dOCUMENTA (13)? Sandra: Ja, ich bin heute das erste Mal hier und finde es bisher recht interessant. Ich habe mir gleich heute Morgen um 10.00 Uhr die Tageskarte gekauft, um möglichst viel sehen zu können. Es ist bis jetzt ein harter Tag mit Fußschmerzen, aber es macht Spaß. (lacht)

Sandra T.
© Livia Blum

Livia: Wie gefällt es dir bis jetzt? Sandra: Also im Großen und Ganzen gefällt es mir super. Die einen Sachen mehr, die anderen weniger.

Livia: Und welches Kunstwerk gefällt dir besonders gut? Sandra: Die „Monumentalskulpturen“ von Adriàn Villar Rojas an den Weinbergen finde ich ganz interessant.

Livia: Warum gerade diese Skulpturen? Sandra: Das Werk fasziniert mich, weil Rojas Skulpturen entworfen hat, die den Zeitgeist der Geschichte wiedergeben, obwohl sie so zerbrechlich aussehen. Damit meine ich, dass vieles, wie auch Geschichte, zerbrechen und in Vergessenheit geraten kann, wenn man nicht für Erinnerung sorgt.

Livia: Was hast du bis jetzt schon alles gesehen? Sandra: Also ich war heute schon in der documenta-Halle, im Hugenottenhaus und eben war ich am Weinberg. Heute werde ich mich wohl nur noch auf die geschlossenen Räume beschränken, denn im Auepark ist ja vieles kostenlos zugänglich. Die Werke dort werde ich an anderen Tagen erkunden. Gleich möchte ich mir die Kunst im Fridericianum noch mal anschauen.

Livia: Im Fridericianum kannst auf jeden Fall Unterschiedliches sehen. Gibt es denn ein Werk über das du unbedingt mehr erfahren möchtest? Sandra: Auf jeden Fall möchte ich gerne wissen, warum Yan Lei seine Bilder überlackiert. Ich habe mir ja sein Kunstwerk „Limited Art Projekt“ vorhin in der documenta-Halle angesehen und fand den Raum voller Bilder beeindruckend. Ich vermute, dass er damit zeigen möchte, dass Kunst vergänglich ist, was eigentlich schon der Werktitel besagt. Aber ich bin der Meinung, da muss noch mehr dahinter stecken.

Livia: Hast du sonst noch spannende Entdeckungen gemacht? Sandra: Ich muss sagen, ich finde die Ausstellung von Thomas Bayrle in der documenta-Halle wirklich sehenswert. Dieser riesige Raum, den er mit seinen Werken – den lauten, dröhnenden Maschinen – ausfüllt, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und mir fällt auf, dass die Menschen während der Ausstellungszeit kommunikativer sind als sonst. Man kommt mit ihnen leichter ins Gespräch.

Livia: Was interessiert dich besonders an der dOCUMENTA (13)? Sandra: Ich bin am meisten an der Geschichte der documenta interessiert. Aber auch der Hintergrund, wie die Werke entstanden sind und was den Künstler dazu bewegt hat, genau dieses Werk zu schaffen, finde ich sehr spannend.

Livia: Wie würdest du dein Verhältnis zur Kunst beschreiben? Sandra: Ich habe kein wirkliches Kunstverständnis. Ich bin eher dem verfallen, was schön oder sinnvoll ist. Kunst muss mir in erster Linie gefallen. Ich mag schon sehr gerne die zeitgenössische Kunst, sie sagt mir am meisten zu.

Livia: Letzte Frage. Würdest du anderen Menschen empfehlen, die dOCUMENTA (13) zu besuchen? Sandra: Auf jeden Fall. Wer Kunst und Entwicklung mag und gerne viele Menschen um sich hat, ist hier absolut richtig. Man hört andauernd andere Sprachen und sieht Menschen verschiedener Nationalitäten, das ist schon ein bisschen wie Urlaub.

Livia: Danke für das Gespräch. Ich wünsche dir noch einen spannenden und interessanten Tag auf der dOCUMENTA (13)!

(lb)

Entdeckungen am Hauptbahnhof – neue Kunstwerke?

Arbeiten einige Künstler vielleicht versteckt hinter den Gleisen des Kasseler Bahnhofes an ihren Kunstwerken? – Meine Beobachtungen.

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© Livia Blum

Nachdem ich mir an einem sonnigen Sonntagmittag den Schrotthaufen hinter dem ehemaligen Zollamt am Kasseler Bahnhof zum Abschluss aus der Ferne angesehen hatte, wollte ich mich aus dieser verlassenen, fast unheimlichen Gegend verabschieden. Bis jetzt hatte ich dort außer großen Mengen an übel riechendem Metallschrott und unruhiger, kreischender Vögel, die darüber kreisten, keine einzige Menschenseele gesehen. Richtig verlassen schien diese Gegend zu sein.

Habe ich etwa zufällig dOCUMENTA-Künstler entdeckt?

Plötzlich machte ich eine spannende Entdeckung. Ich stand noch vor dem Schrotthaufen und konnte aus weiter Entfernung sehen, dass einige Männer vor den heruntergekommenen Häusern hastig arbeiteten. Manche diskutierten lautstark untereinander, einige standen regungslos da und schienen angestrengt nachzudenken, andere werkelten eifrig an etwas, das ich aus der Ferne nicht erkennen konnte. Da ich den Platz verlassen wollte, musste ich unumgänglich an ihnen vorbeilaufen. Ich kam ihnen näher und versuchte, mich möglichst unauffällig zu verhalten. Einige starrten mich regelrecht an und ich fragte mich, ob hier wohl ein dOCUMENTA-Künstler dabei ist und hier geheim an seinen Kunststücken feilt? Ein anderer, der vorher seelenruhig an dem obigen Tor gearbeitet hatte, verschwand schnell in das Innere des Gebäudes. Wenn man genau hinsieht, fällt einem auf, dass das Gebilde hinter dem großen Tor wie eine Höhle aussieht, wahrscheinlich aus Beton oder Lehm? Bis ich da vorbei kam, hat er flink an dem höhlenartigen Gebilde gewerkelt; hat es wohl versucht, in Form zu bringen. Seine Abwesenheit nutzte ich schnell, um Fotos zu machen. Ich dachte mir, es könnte immerhin möglich sein, dass es sich hier tatsächlich um einen dOCUMENTA-Künstler handelt. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Wer arbeitet denn sonst sonntags in dieser nicht gerade einladenden Gegend? Und warum sind hier so viele beschäftigte Menschen, obwohl doch Sonntag und dazu noch ausgezeichnetes Wetter ist?

Was sieht man hier? Könnte es der Arbeitsplatz eines Künstlers sein?

Das Podest ist voll beladen: Viele Säcke mit Baumaterial, Eimer, ein hölzerner Werkszeugtisch mit Arbeitsmaterialien, Kisten, Wasserkanister und unter dem Podest liegt Stroh.

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© Livia Blum

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© Livia Blum

Dann fielen mir noch große Elemente aus Holz ins Auge: Treppen, die von einem massiven Geländer eingerahmt sind. Diese stehen in regelmäßigen Abständen auf beiden Gebäudeseiten. Mir fielen sie eigentlich besonders dadurch auf, da sie aus der dunklen Gegend herausstachen. Das helle Holzobjekt wirkte sehr neu und es roch sogar noch nach Holz und frischer Farbe. Waren diese Treppen eventuell angefertigt worden, damit dOCUMENTA-Besucher ohne Schwierigkeiten in die Ausstellungsräume verschiedener Künstler gelangen konnten? Handelt es sich hier in dieser verlassenen Bahnhofsgegend etwa wirklich um weitere Ausstellungsräume? Für mich ergibt das Gesehene ein schlüssiges Gesamtbild: Eifrig werkelnde Künstler, viele Materialien, auffällige Geheimnistuerei, eine abgelegene Gegend, neue Holztreppen.

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© Livia Blum

Richtige Fährte oder Sackgasse? Auflösung folgt am 09. Juni 2012!

Ob das alles, was ich beobachtet habe, wirklich zur dOCUMENTA (13) gehören könnte, ist mehr als fraglich. Es handelt sich hierbei lediglich um meine eigenen Beobachtungen und Vermutungen, die sich mir an diesem Nachmittag aufgedrungen haben. Und wenn man manchmal etwas bemerkt, interpretiert man öfters viel zu viel hinein, vielleicht ist euch das auch schon passiert!? Man weiß die Fakten leider nicht. Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als ungeduldig auf die Eröffnung der dOCUMENTA (13) am 09. Juni 2012 zu warten.

(lb)

Nachtrag:

Meine Vermutung wurde bestätigt. An besagtem Wochenende sichtete ich wirklich einen Künstler, vermutlich Javier Téllez (* 1969), der an seinem Projekt für die dOCUMENTA (13) werkelte. Zu Beginn der Weltkunstausstellung stellte sich heraus, dass an diesem Ort seine 45-minütige Filminstallation „Artaud`s Cave“ gezeigt wurde – und zwar in der von mir entdeckten Höhle.